Angeklagte zu Bewährungsstrafe verurteilt

29-Jährige aus Bad Hersfeld wurde offenbar aus Geldnot zur Dealerin

Bad Hersfeld. Geldnot und die falschen Freunde – diese ungute Kombination ließ eine heute 29 Jahre alte Hersfelderin zur Dealerin werden. Wegen unerlaubten gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln in zehn Fällen, davon einer mit einer nicht geringen Menge, wurde sie jetzt vom Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Weil die Angeklagte geständig und bislang nicht vorbelastet war, wurde die Strafe für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die Hersfelderin muss sich jedoch mit der Drogenberatung in Verbindung setzen und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit absolvieren.

Vor Richter Michael Krusche und den beiden Schöffen zeigte sich die 29-Jährige genauso geständig wie schon bei ihrer polizeilichen Vernehmung. Seit ihrem 15. Lebensjahr konsumierte sie demnach Marihuana, in jüngerer Zeit „um runterzukommen vom Stress“. Als süchtig sieht sie sich nicht, doch sprach auch ihr Anwalt Artak Gaspar von einer „psychischen Abhängigkeit“.

Weil die Einkünfte aus Teilzeitjobs nicht reichten, finanzierte die Hersfelderin ihren Bedarf über den Weiterverkauf größerer Mengen. Mindestens zehnmal besorgte sie sich am Frankfurter Hauptbahnhof Nachschub zwischen 40 und 150 Gramm und verkaufte Einzelportionen von etwa 1,3 Gramm für jeweils 20 Euro in Bad Hersfeld.

Tipp aus dem Gefängnis

Die Polizei kam der zuvor nicht auffälligen Dealerin auf die Spur, als sie einen Tipp von einem Strafgefangenen bekam. Tatsächlich wurden dann bei einer Wohnungsdurchsuchung in der Hersfelder Innenstadt Rauschgift und die entsprechenden Utensilien gefunden. Weil die Qualität der sichergestellten Betäubungsmittel überdurchschnittlich hoch war, ergab sich in diesem Fall die juristisch relevante „nicht geringe Menge“. Normalerweise sei das Marihuana allerdings nicht so gut gewesen, beteuerte die Angeklagte.

Die hat mittlerweile ihr Leben von Grund auf geändert. Seit zwei, drei Monaten sei sie abstinent und habe sich von ihrem Lebensgefährten getrennt. Auch die gemeinsame Wohnung habe sie verlassen, ließ die Angeklagte ihren Verteidiger berichten. In ihrem Schlusswort sagte sie: „Es tut mir echt leid.“ Das Urteil wurde im allgemeinen Einverständnis sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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