Frauen kommen langsam voran auf dem Weg zur Gleichstellung, feierten aber fröhlich

Es dauert noch 480 Jahre

Eine heiße Tina-Turner-Show präsentierten Hanne (unser Bild) und Beate.

Bad Hersfeld. „Die Emanzipation kommt voran wie eine Schnecke auf Glatteis“ – das stellt vor vielen Jahren schon Willi Brandt fest. Und bis die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter erreicht ist, wird es noch 480 Jahre dauern. Das rechnete Andrea Fink-Jacob, Frauenbeauftragte des Kreises Hersfeld-Rotenburg vor.

Doch sie hatte auch gute Nachrichten für die vielen Besucherinnen des Festes zum Internationalen Frauentag am 8. März. Fink-Jacob berichtete von der Einrichtung der Fachstelle Dialog, die mit Männern arbeitet, die im häuslichen Bereich gewaltätig geworden sind. Und sie erzählte von der Arbeit der Fachgruppe Frau und Arbeit, in der unter anderem auch die Arbeitsagentur vertreten ist. Eine Fragebogenaktion soll nähere Informationen darüber liefern, was für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf notwendig ist.

Rahmenbedingungen, die es Frauen und Männern ermöglichen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen wünscht sich auch die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz. Auf ihrer Wunschliste nannte sie zudem den Mindestlohn, der gerade auch Frauen, die häufig im Niedriglohnsektor beschäftigt sind, dazu verhelfen könnte, dass ihre Arbeit auch existenzsichernd ist.

Kritik übte Künholz am Betreuungsgeld, das alte Rollenklischees zementiere und an der Kopfpauschale, die dazu führe, das Frauen für ihre Gesundheit mehr bezahlen müssten.

Vor allem aber ermutigte Elke Künholz die Frauen, weniger Bedenken bei der Bewerbung um Führungspositionen zu haben. „Wir führen nicht so wie die Männer, wir führen anders und wir führen besser“, rief sie den Besucherinnen zu und erntete dafür lebhaften Beifall.

Vor allem aber waren die Frauen an diesem Abend zum Feiern gekommen. Auf der Bühne des Buchcafés gab es ein buntes und unterhaltsames Programm mit der Mädchentanzgruppe „Shalima“ aus dem Jugendhaus, dem russisch-deutschen Frauenchor „Rjabinuschki“, der Anklung-Gruppe des Interkulturellen Zentrums, einer philippinischen Tanzgruppe, der Familie Feik, die Tänze der Sinti-Kultur vorführte und vielen Mädchen und Frauen der Tanzgruppe „Balady“, die orientalische Tänze präsentierten und zum Mittanzen einluden.

Beste Unterhaltung boten Hanne und Beate, die als Putzfrauen auf die Bühne kamen und sich zu Ike und Tina Turner wandelten.

Ins Gespräch kommen

Nachdenkliches bot eine Gespräch zwischen der aus Chile stammenden Carmen, die die Ordnung und Zuverlässigkeit der Deutschen schätzt, es aber traurig findet, wie viele alte Menschen einsam in Heimen leben und wie viele Jugendliche sich sinnlos betrinken, und der Deutschen Hannelore, die einräumte, nur wenig von Chile zu wissen und sich einen engeren Kontakt wünschte. Auch dieses Gespräch war ein Beitrag des Ikuz.

Gern gesehene und gehörte Gäste sind zudem jedes Jahr Antje Fey-Spengler und Martina Krüger mit Saxophon und Klavier.

Von Christine Zacharias

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