Fackelzug und Feierstunde in der Stiftsruine am Vorabend des ältesten Volksfestes

„Das Lullusfest verbindet“

Hans Hantke

Bad Hersfeld. Pünktlich zur Fanfare des Stadtmusikvereins in der Stiftsruine setzte gestern Abend ein Regenschauer ein, der auch die kurze Rede von Bürgermeister Thomas Fehling überdauerte. Erst als Festredner Hantke das Rednerpult betrat und die Lullusglocke verstummte, fielen keine Regentropfen mehr nieder.

„Haben sie es gemerkt: Wenn der Bürgermeister spricht regnet es. Und trete ich ans Mikrofon hört es sofort wieder auf“, rief Hantke der Menge spontan zu und hatte die Lacher auf seiner Seite. Doch damit war er mit seinen Späßen auch schon am Ende und widmete sich dem bevorstehenden Lollsfest, das aus seiner Sicht zur rechten Zeit komme.

Theater ums Theater

Denn der ehemalige Sportchef der Hersfelder Zeitung fühlte sich in der Ruine unweigerlich an das jüngste Theater um das Theater erinnert.

Kommentieren mochte er dieses Thema nicht, wohl aber als neutraler Beobachter einige Anmerkungen machen. „Ich habe den in dieser Angelegenheit mitunter nicht dienlichen Umgangston zu bemängeln. Sich einmischen ist in Ordnung, aber doch stets mit dem nötigen Respekt der anderen Seite gegenüber.“

Hans Hantke, der selbst kein gebürtiger Bad Hersfelder ist, mochte es während seiner Rede nicht versäumen zu berichten, wie er einst selbst ins Städtchen gekommen ist. „Es war ein kalter Dezembertag im Jahre 1963, an dem ich in Bad Hersfeld zum Bundesgrenzschutz einrückte. Da hatte ich von Lolls noch nichts gehört. Woher auch. Es gab keine Computer, wo man schnell etwas hätte googeln können, keine Smartphones. Informationen erhielt man aus der Tageszeitung oder dem Radio, das damals mit Sendern und Programmen nicht so übersättigt war wie heute.“

Dennoch sei dem Zugereisten die Bedeutung des Lullusfestes recht schnell deutlich geworden: „Das Lullusfest ist ein Fest, das verbindet. Viele Menschen reisen von weither an, um dabei zu sein. Sie besuchen Verwandte, treffen alte Bekannte oder ehemalige Schulkameraden. Selbst Neubürger. Und damit meine ich Menschen aus anderen Ländern, die hier eine neue Heimat gefunden haben, lernen sehr schnell, dieses Fest und diese Stadt zu lieben.“

Von Mario Reymond

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