Interview mit Mathias Richling, der am 2. Juni in der Stiftsruine gastiert

„Das Kabarett war nie töter“

Mathias Richling kommt nach Bad Hersfeld. Foto: dpa

Bad Hersfeld. Mathias Richling, der Altmeister des politischen Kabaretts, tritt mit neuen Themen und dem immer wieder aktualisierten „Richling-Code“ am 2. Juni ab 20 Uhr in der Stiftsruine auf.

Herr Richling, vor einem Jahr sind Sie schon einmal in der Stiftsruine aufgetreten. Wie war das für Sie?

Mathias Richling: Historisch eindrucksvoll, ehrfurchtheischend, stimmungsgeladen, funkenüberspringend, zugig, vom Abend abgekühlt und von den Zuschauern aufgewärmt.

Fühlt man sich nicht sehr allein auf der riesigen Bühne?

Richling: Ich nicht. Ich erspiele mir ja Merkel, Steinmeier, Schäuble, Helmut Schmidt, Günter Grass, Joachim Gauck, Pofalla, von der Leyen, Ackermann, Künast, Kauder, Lauterbach und so weiter. Die hab ich dauernd auf der Bühne. Und die Zuschauer sind auch noch da. Am wenigsten allein bin ich auf der Bühne.

Böse Zungen nannten diese Region auch „hessisch Sibirien“, weil auch hier einst die westliche Welt zu Ende war. Seit Mauerfall liegt Bad Hersfeld wieder gut erreichbar in der Mitte Europas. Wie haben Sie es erlebt?

Richling: Als hessisch Europa! Wenn ich ein Gastspiel gebe, habe ich meist keine Zeit für die Lokalitäten. Das Publikum in Bad Hersfeld war jedenfalls nicht nur europäisch. Es hatte für mich Weltformat.

Im letzten Jahr ist einiges passiert, das sich wohl auch in Ihrem Programm niederschlägt. Wir geben Ihnen mal ein paar Stichworte und Sie kommentieren. Griechenland?

Richling: Man sagt, die Wiege der Demokratie steht in Griechenland. Die Frage ist: Wird sie jetzt auch zu Grabe getragen?

FDP?

Richling: Die FDP hat ein immenses Nichtwählerpotential und bei jeder Wahl aktiviert sie neue Nichtwähler – die sie nicht wählen.

Röttgen, Merkel, Seehofer?

Richling: Die Suche nach einem Endlager für Atommüll wurde unterbrochen. Die Suche nach einem Endlager für ausgebrannte Politiker ist für Frau Merkel jetzt wichtiger.

Blockupy/ Occupy?

Richling: Der Bürger merkt, dass er nicht mehr Splittergruppe in der Demokratie ist.

Ex-Bundespräsident Wulff?

Richling: Herr Wulff wollte und wollte nicht gehen, weil er immer betonte, er lernt ja noch. Er hat aus dem Amt ein Volontariat gemacht.

Welches war Ihr Lieblingsthema in den vergangenen zwölf Monaten?

Richling: Herr Gauck, Herr Wulff, Frau Merkel, Herr Kretschmann – alles, was die Nachrichten täglich neu hergeben. Ich kann nicht nach Lieblingsthemen fragen. Als Satiriker muss ich mich mit dem beschäftigen, was aktuell ist und den Menschen auf der Seele brennt.

Die gesamte politische und gesellschaftliche Entwicklung hat sich in den letzten Jahren verändert. Wirkt sich das eigentlich auch auf die „Humor-Wirtschaft“ aus? Lebt Kabarett auf – speziell politisches Kabarett?

Richling: Das Kabarett war nie töter als jeden Tag in den letzten hundert Jahren. Und da Menschen immer etwas haben, was sie aufregt, belästigt, echauffiert und betrifft, ist Kabarett auch immer aktuell. Ob das früher besser war, kann ich nicht beantworten und das ist auch unerheblich. Die Zeiten sind jetzt so wie sie sind und wir Kabarettisten sind dazu da, sie zu kommentieren.

Und sonst?

Richling: Sonst müssten Sie auch die Zeitung von vor zwanzig Jahren drucken. Dass sich eine Veränderung eingestellt hat im sogenannten Humor-Bewusstsein, ist richtig. Das hat auch zu tun mit der viel größeren Quantität der Sendeplätze. Und wer sagt, das hat auch zu Verflachung geführt, mag Recht haben. Aber nur zum Teil. Es hat auch viel Hervorragendes hervorgebracht. Früher hieß es immer, die Deutschen hätten keinen Humor und könnten keinen produzieren. Jetzt produzieren sie und lachen viel mehr und es ist auch wieder nicht recht. Man kann uns schwer was leicht machen. Aber wenigstens amüsieren wir uns mittlerweile mehr dabei.

† Der „Richling-Code“, 2. Juni ab 20 Uhr, Stiftsruine, Karten ab 16 Euro in der Kartenzentrale, Am Markt 1, 36251 Bad Hersfeld, Telefon 06621/400755, www.bad-hersfelder-festspiele.de oder kartenzentrale@bad-hersfeld.de

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