Der Gelsenkirchener Politkabarettist HG. Butzko gastierte im Bad Hersfelder Buchcafé

„Das ist jetzt aber kein Witz!“

Der Gelsenkirchener Kabarettist HG. Butzko ist ein echtes Ruhrpott-Original. Aus der Sicht des kleinen Mannes analysiert er scharfsinnig die Bankenkrise und benennt schonungslos die Schuldigen. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Der Gelsenkirchener Politkabarettist HG. Butzko macht seit 1997 satirisches Kabarett und so langsam kommt ihm die Erkenntnis, dass man sich, wenn man sich mit den Mächtigen beschäftigen will, gar nicht so lange mit den Politikern aufhalten sollte.

Bei seinem Auftritt am Samstagabend im Bad Hersfelder Buchcafé zeigte sich der Gelsenkirchener wieder einmal bestens informiert und extrem angriffslustig.

Nachdem er kurz die Gelegenheit wahrgenommen hatte, in Bad Hersfeld bei Amazon mal „nach den Rechten zu schauen“ widmete er sich schnell seinem Lieblingsthema und Dauerbrenner: Angela Merkel und die Bankenkrise.

HG. Butzko sagt bewusst Bankenkrise, nicht Schuldenkrise, denn er hat recherchiert und rollt das gesamte Geschehen der vergangenen Jahre um US-Immobilien-Zockerei, Bankenpleiten, Staatsschulden und Milliardengeschenke der Politik gnadenlos auf und immer dann wenn er seine Ergebnisse mit dem Satz „Das ist jetzt aber kein Witz, das hab ich mir nicht ausgedacht!“ beginnt, dann wird es besonders haarsträubend.

Die Protektion der schuldigen Banken und deren Chefetagen durch Teile der Politik sind auch wirklich kaum zu glauben. Parteiübergreifend von Rot-Grün über Schwarz-Rot bis Schwarz-Gelb unterscheiden sich die Finanzpolitiker in ihren Methoden kaum. HG. Butzko legt hier den Finger in die Wunde und nennt die Schuldigen der Krise schonungslos beim Namen.

Die hilflosen Versuche der Regierenden, mit viel Steuergeld die Löcher der Bankenkrise zu stopfen und gleichzeitig die Schuld auf andere Institutionen zu schieben zieht HG. Butzko mit allen Mitteln des Satirikers ins Lächerliche. Er parodiert Merkels inhaltsleeren Diskussionsstil und entlarvt den vermeintlichen Finanzexperten Peer Steinbrück anhand seiner Entscheidungen in der Vergangenheit als Mitschuldigen dieser Krise.

Auch wenn man ständig ob der unterhaltsamen Erzählweise von HG. Butzko lachen muss, so bleibt einem bei manchem Detail der Verstrickungen, die Butzko zwischen Banken, Wirtschaft und Politik aufdeckt, dann doch das Lachen im Halse stecken. So beschreibt er etwa die reale Karriere eines Staatssekretärs im Finanzministerium, der als Lobbyist der Banken jede staatliche Kontrolle immer ablehnt hat, gleichzeitig im Aufsichtsrat einer der betroffenen Pleite-Banken offen für Immobilienspekulationen in den USA eingetreten ist und dann ausgerechnet im politischen Kontrollgremium die staatlichen Rettungsmaßnahmen für eben diese Banken mitsteuern darf.

„Best of“ zum Schluss

Gegen Ende des Programms zeigte HG. Butzko noch einige „Best-of“-Szenen aus seinen vorherigen Programmen. Am lautesten gelacht wurde hierbei über seine bekannte Kunstfigur „Cris di Motten“ aus Geilenkirchen, ein Hippie-Philosoph der endlich die Fragen stellt, auf die noch niemand bisher gekommen ist.

Das Bad Hersfelder Publikum genoss diesen höchst unterhaltsamen Streifzug durch die Welt der Raffgierigen und Rücksichtslosen und der wirklich Mächtigen in unserer Gesellschaft und honorierte HG. Butzkos Recherchen mit lang anhaltendem, tosenden Applaus.

Von Werner Rödiger

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