Montagsinterview mit Alf Rothe, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises für Musik, zur Zukunft der Oper in der Stiftsruine

„Das bringt uns alle unter Zeitdruck“

Blickt trotz aller bestehenden Unsicherheiten entspannt in die Zukunft: Alf Rothe, Vorsitzender des Arbeitskreises für Musik (AfM), zieht eine zufriedenstellende Bilanz der Bad Hersfelder Opernfestspiele 2014 und geht davon aus, dass die Oper in der Stiftsruine auch weiterhin mit Beteiligung des AfM stattfinden wird. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Nicht nur der Regen hat der Bad Hersfelder Oper dieses Jahr zu schaffen gemacht. Wie es mit den Opernfestspielen in der Stiftsruine in Zukunft weitergeht, ist derzeit wieder völlig offen. Wir sprachen mit Alf Rothe als Vorsitzendem des Arbeitskreises für Musik (AfM), der die Opernfestspiele und die Festspielkonzerte veranstaltet.

Die Opernfestspiele 2014 sind vorbei – wie fällt Ihre Bilanz aus?

Alf Rothe: Nicht so gut wie erhofft, aber nicht wesentlich schlechter als 2013. Wir hatten ungefähr 12 000 Besucher bei den Opern und fast 3500 Besucher bei den Konzerten. Man hofft natürlich immer auf möglichst viele Besucher. Nicht nur wegen der Einnahmen, auch für die Künstler ist eine volle Ruine immer schöner. Die Reaktionen des Publikums und die Kritiken waren ebenfalls ganz gut.

Spätestens 2017 sollten Festspiele und Opernfestspiele zusammengeführt werden, wenn es nach Bürgermeister Thomas Fehling geht. Mit der Kündigung von Holk Freytag ist nun erstmal alles offen. Welche Zukunft wünschen Sie sich für die Oper in der Stiftsruine?

Rothe: Wir hatten uns eigentlich darauf eingestellt, dass der Magistrat unseren Ende 2015 auslaufenden Vertrag um ein Jahr verlängert. Die Verlängerung war jedoch an kleineren Details gescheitert, über die nochmal diskutiert werden sollte. In diese Verhandlungsphase kam jetzt die Kündigung. Nun ist erstmal alles wieder offen, der Bürgermeister hat aber angekündigt, auf uns zuzukommen, sobald ein neuer Intendant gefunden ist. Denn mit einem neuen Intendanten wird wohl auch ein neues Konzept kommen.

Wird es die Oper vielleicht sogar ohne den AfM geben?

Rothe: Das denke und hoffe ich nicht. Am Ende ist es auch eine reine Kostenfrage. Wenn die Festspiele und die Oper zusammengeführt würden, wäre auch mehr Personal nötig, zum Beispiel für die Bühnenarbeiten und die Technik. Wenn die Stadt das alleine stemmen müsste, würde es viel mehr kosten. Der Bürgermeister hat uns aber auch das Signal gegeben, dass eine weitere Zusammenarbeit gewünscht ist.

Die Zusammenarbeit des AfM mit Holk Freytag war ja nicht immer einfach. Sind Sie am Ende sogar froh, dass sich dieses Kapitel nun erledigt hat?

Rothe: Die jetzige Situation setzt eigentlich nur alle unter Zeitdruck. Die Stadt, den neuen Intendanten und auch uns. Andererseits tut sich eventuell eine neue Chance für die zukünftige Zusammenarbeit auf, vor allem künstlerisch.

Bei der Oper läuft vieles ehrenamtlich, ist das ein Nachteil?

Rothe: Im Gegenteil. Das ist kein Problem, sondern ein Pfund. Ohne die ehrenamtlich Engagierten vom Platzanweiser bis zum Statisten wären die Opernfestspiele für uns sonst gar nicht finanzierbar.

Häufig kritisiert wurde der Einsatz von unbekannten Sängern aus dem Ausland. Könnten diese nicht auch internationales Flair nach Bad Hersfeld bringen?

Rothe: Ein internationales, gemischtes Ensemble macht es auch für die Mitwirkenden selbst interessant. Sprachliche Schwierigkeiten sind natürlich nicht auszuschließen, gerade bei schwierigen Partien. Aber auf dem internationalen Markt haben wir auch eine größere Auswahl.

Im nächsten Jahr ist Gunther Emmerlich wieder dabei. Ziehen bekannte Gesichter mehr Zuschauer?

Rothe: Bekannte Künstler ziehen immer mehr Publikum, und vielleicht auch diejenigen, die sich sonst nicht so für die Oper interessieren würden. Wenn Otto Waalkes bei uns auf der Bühne stehen würde, kämen bestimmt mehr, als bei einem unbekannten Künstler. Die mediale Aufmerksamkeit ist ebenfalls größer. Der Kontakt zu Herrn Emmerlich ist vor allem durch Hugo Wieg zustande gekommen, der mit ihm befreundet ist. Namhafte Künstler bringen aber nicht nur mehr Publikum, sondern ziehen auch andere Künstler an.

Der Großteil des Publikums ist jenseits der 50. Geht der Oper demnächst der Nachwuchs aus?

Rothe: Wir haben im zweiten Jahr die Oper für Kinder in der Stiftsruine angeboten, um dem vorzubeugen und Kinder an die Oper heranzuführen. Die Familienaufführungen dauern nur eine Stunde und es gibt Erklärungen zu den Werken. Für nächstes Jahr werden wir eine Kinderfassung zu „Der Bettelstudent“ vorbereiten.

Von Nadine Maaz

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