Nachwuchsköche aus der Region besuchten Zucht- und Produktionsanlage in Fulda

Es darf auch Kaviar sein

Marcel Böhm von der Kaviar-Manufaktur Fulda (rechts) zeigt einigen der Nachwuchs-Köche im dritten Lehrjahr der Beruflichen Schulen Bad Hersfeld (von links) Simon Reichmann, Niklas Möller, Sandra Kruschel und Tanja Pauly) einen Stör. Fotos: Berufliche Schulen

Fulda/Bad Hersfeld. Mittendrin statt nur dabei waren die Köche-Auszubildenden des dritten Lehrjahres der Beruflichen Schulen des Landkreises Hersfeld Rotenburg bei ihrer Besichtigung der Kaviar-Manufaktur Desiertra in Fulda, eine der derzeit wenigen Anlagen in Europa, die auf etwa 7500 Quadratmetern ganzjährig frischen Kaviar sowie Störfleischprodukte verschiedenster Störarten, Größen, Alters- und Entwicklungsstufen produziert und reproduziert.

„Dieser Tag war wesentlich interessanter und lehrreicher als eine Reportage über das Thema“, stellte Kristoph Van der Heyden, Koch-Azubi der BKK-Akademie-Rotenburg, fest.

Als Vorbereitung auf eine Gastronomie-Netzwerk-Veranstaltung im Lehrrestaurant Sinn-fonie der Beruflichen Schulen Bad Hersfeld für Ausbilder, Förderer und Lehrer, informieren sich die Berufsschüler über die Themen Fisch und Meeresfrüchte, um ihre Gäste gemeinsam mit den Hotelfachleuten des dritten Lehrjahres mit kulinarischen Spezialitäten unter dem Motto „Fluch der Karibik“ verwöhnen zu können.

Tier, Haltung, Artenschutz

Besonders wichtig ist es den betreuenden Lehrkräften Christian Bräuning und Birgit Gustke, den Jungköchen den Zusammenhang zwischen dem Tier, dessen Haltung und Artenschutz sowie der Gewinnung des Lebensmittels nahe zu bringen.

Da der Stör zu den vom Aussterben bedrohten Tieren gehört, entstammen heute etwa 70 Prozent der weltweiten Kaviarproduktion aus Zuchtbetrieben und nur etwa 30 Prozent aus Wildbeständen, informierte der Agrar-Ingenieur und Fischwissenschaftler Marcel Böhm, der eine Hälfte der 20 Azubis durch die drei Bereiche Aufzucht, Mast und Verarbeitung führte. Von ihm erfuhren die staunenden Berufsschüler, dass aus den Fischeiern, auch Rogen genannt, innerhalb von drei Wochen sieben bis zehn Zentimeter große Beluga-Störe werden, die in vier Jahren zu 150 Kilo schweren Zwei-Meter-Monstern heranwachsen. „Das ist ja mal ein Portionsfisch für Obelix“ freute sich Tanja Pauly aus der Vitalisklinik und lief, nicht ohne ein mulmiges Gefühl im Bauch, auf dem Steg entlang, der über das Becken der Riesen-Belugas führt.

Als dann mit einem lauten Geräusch die Futteranlage auslöste, die Schwanzflossen und die spitzen Mäuler aus dem Wasser ragten, wollte sie doch schnell wieder festen Boden unter den Füßen haben. „Manche der Störarten spielen auch gerne Flipper und springen kurz durch die Luft“ plauderte der Fischwissenschaftler aus dem Alltag.

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