Uwe Streck, Orga-Chef des Bad Hersfelder Lollslaufs, steht derzeit unter Dampf

„Dann läuft die Sache...“

Wer in der Woche vor Lolls einen Termin mit Uwe Streck haben will, braucht Glück. Denn die Woche vor Lolls ist gewöhnlich die Woche, an deren Ende der Lollslauf in Bad Hersfeld stattfindet. Zum elften Mal ist das jetzt so. Und zum sechsten Mal ist Uwe Streck Chef-Organisator der Veranstaltung.

Zum Gespräch erscheint der 51-Jährige im dunkelblauen Kapuzenpulli, auf der linken Brust das gelbe Vereinswappen des Skiclubs Neuenstein, und in Jeans. „Ich komme gerade von einem Termin mit dem Bauhof. Wir sind die Strecke abgefahren und haben uns angeschaut, wo beispielsweise noch Poller raus müssen“, erzählt Uwe Streck. Im Anschluss wolle er zur Feuerwehr – Helfer anwerben.

Nachfolger von Heinz Bade

Wie die Jungfrau zum Kinde sei er 2004 zum Lollslauf gekommen, berichtet der kleine, aber kräftige Mann mit den dunklen Haaren und nimmt einen Schluck Milchkaffee. Seinerzeit habe ihn Heinz Bade, der Initiator des Lollslaufs, ins Boot geholt. Als Bade 2006 verstirbt, findet der SC Neuenstein in Streck einen neuen Orga-Chef. Eigentlich habe er überhaupt keinen Bezug zum Lollslauf gehabt. „Früher habe ich mal in Asbach Fußball gespielt“, sagt Streck. In Asbach wohnt er auch heute noch.

Früher – ja früher habe Lolls für ihn am Sonntag um 18 Uhr mit dem Fackelzug angefangen. „Jetzt geht’s los, wenn die Nordic Walker sonntagmorgens um 9.30 Uhr auf die Strecken gehen“, sagt er. Dann ist Uwe Streck bereits seit mehr als fünf Stunden auf den Beinen. An die 4 000 Läufer und etwa 450 Helfer gilt es an diesem Tag mit dem Orga-Team zu koordinieren. „Die letzte Woche hat es schon in sich, aber Freitag bis Sonntag sind dann nochmal der absolute Hammer“, sagt er. Zwei Wochen Urlaub nimmt sich Streck deshalb. Zum Ausspannen kommt er erst in der Lollswoche selbst. „Montag wird nochmal richtig einer gemacht, aber danach ist Schluss. Dann ist der Akku leer“, verrät der Asbacher.

Ohne Urlaub wären die Vorbereitungen nicht zu schaffen. Morgens sei er schon um fünf Uhr wach, würde Schreibtischarbeiten erledigen, weil er tagsüber permanent unterwegs sei. Da spielt es ihm in die Karten, dass seine Frau Beate seit zwei Jahren ebenfalls zum 14-köpfigen Orga-Team des SC Neuenstein gehört. „Das passt schon“, sagt Streck und grinst.

Promis getroffen

Uwe Streck, der Niederlassungsleiter eines Hersfelder Personaldienstleisters ist, hat durch den Lollslauf einige Menschen kennengelernt, mit denen er sonst wohl nie zusammengetroffen wäre. Musiker- und Extremsportler Joey Kelly, 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann – diesmal kommt Profi-Fußballtrainer Hans Meyer nach Hersfeld. „Alles ganz normale, nette Typen, die auf dem Boden geblieben sind“, sagt Streck. Bodenständigkeit ist ihm wichtig.

Höhepunkt des Lollslaufs ist für ihn aber nicht der Besuch der Stargäste. Uwe Strecks Höhepunkt ist seit Jahren ein anderer: der Start des Schülerlaufs. „Wenn die Kiddies am Start stehen, und du schaust in ihre leuchtenden Augen, siehst diese Begeisterung und Freude – das ist das Größte für mich“, schwärmt er. „Wenn die Kinder dann im Ziel sind und nichts passiert ist, kann ich langsam runter fahren. Dann weiß ich, dass die Sache läuft.“

Doch obwohl der Lollslauf in der Szene längst auch überregional einen guten Ruf genießt, muss man manchmal auch Kritik aushalten. „Im letzten Jahr haben wir von einer Läuferin eine bitterböse E-Mail bekommen. Sie habe sich aus dem Kurpark heraus verlaufen und das Ziel nicht gefunden. Bei uns wäre alles schlecht organisiert“, berichtet Streck – - und muss herzhaft lachen.

Für ihn ist der Lollslauf längst eine Institution. Er gehöre zu Hersfeld wie Festspiele, Weinfest oder das Lullusfest selbst. „Oder wo gibt’s sonst einen Lauf, der über den Rummel führt?“, fragt Uwe Streck mit leuchtenden Augen.

Von Sascha Herrmann

Kommentare