Eigentümer und Stadt uneins beim Wiederaufbau der ausgebrannten Klosterschänke

„Dann bleibt eine Ruine“

Die ausgebrannte Klosterschänke am Morgen nach dem Feuer vom 25. Januar.

Bad Hersfeld. Beim Wiederaufbau der ausgebrannten Klosterschänke in Bad Hersfeld kommt es zum befürchteten Konflikt zwischen dem Eigentümer und der städtischen Bauverwaltung. Unterschiedliche Vorstellungen von Bauherr Ulrich Bommer (53) und dem Fachbereichsleiter der Technischen Verwaltung, Johannes van Horrick, haben einen vorläufigen Baustopp zur Folge. Eigentlich sollte in dieser Woche mit den Abrissarbeiten an der Brandruine begonnen werden.

Fluchtweg als Knackpunkt

Differenzen gibt es weniger um den historischen Fachwerkbau, der bis auf Grundmauern im Erdgeschoss abgetragen und annähernd originalgetreu erneuert werden soll. Doch bei der Gestaltung des für Küche und Toilettenanlage vorgesehen Nebengebäudes liegen beide Seiten derzeit weit auseinander.

Jede Menge Pläne, jede Menge Angebote: Für Klosterschänken-Eigentümer Ulrich Bommer ist der Wiederaufbau der ausgebrannten historischen Gaststätte eine Herzensangelegenheit. Derzeit liegt er allerdings mit der Bauverwaltung im Clinch.

Knackpunkt ist dabei der Fluchtweg aus dem Dachgeschoss mit der Bommer’schen Wohnung. Während der Bauherr einen vorgezogenen Giebel vorschlägt, von dem eine Außentreppe aufs Flachdach des eingeschossigen Küchengebäudes führt, ist auf einer Skizze der Verwaltung eine zweigeschossige Bauweise des Nebentraktes mit einem geschlossenen Aufbau zum Dach eingezeichnet.

„Das würde doch die ganze Seite verschandeln“, mein Ulrich Bommer, der mit seinen Plänen nach eigenen Angaben bereits im Ortsbeirat des Stadtteils Beifall fand.

„Das sind doch nur Vorschläge“, will Bauamtschef van Horrick von einer unabdingbaren Forderung der Verwaltung nichts wissen. Doch im Gegenzug reichten auch die „auf Rechenpapier gezeichneten Grundrisse“ Bommers nicht aus.

Nach van Horricks Einschätzung ist Bauherr Bommer nach der Trennung von seinem Architekten dem Projekt nicht gewachsen. „Er versucht jetzt, alle Probleme alleine zu lösen, hat aber keine Ahnung“, sagt van Horrick.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen beiden ist der Wintergarten auf der gegenüberliegenden Seite des Altbaus. Dieses Problem wäre Bommer am liebsten erst später angegangen, doch habe van Horrick die mit Holzwänden ummantelte Stahlkonstruktion schon jetzt zum Thema gemacht. Die Seitenteile des Wintergartens seien nämlich nicht genehmigt, argumentiert van Horrick und will auch hier im Sinne eines Gesamtkonzeptes für die Klosterschänke gleich Nägel mit Köpfen machen.

Stadt in der Pflicht

Ulrich Bommer, der den Wiederaufbau der Klosterschänke im Grunde als Herzensangelegenheit betrachtet, sieht nun die Stadt in der Pflicht. „Wenn es keine vernünftige Einigung gibt, dann bleibt die Klosterschänke so stehen, wie es ist, dann bleibt eine Ruine“, sagt er.

Das Versicherungsgeld muss reichen

Ulrich Bommer hat eine ganz klare Marschroute: Seit 20 Jahren betreibt er mit seiner Frau Izabela die Klosterschänke, und erst im vergangenen Jahr waren alle Kredite abbezahlt. Deswegen kommen für ihn auch beim Wiederaufbau neue Schulden nicht infrage.

Etwas mehr als eine Million Euro wird er wohl von der Versicherung erhalten, und dieses Geld muss für den Neubau reichen. Nach seiner Einschätzung ist das auch möglich, denn die von ihm eingeholten Angebote für die einzelnen Gewerke liegen deutlich unter den Summen, die der zunächst beauftragte Architekt für erforderlich hielt. Laut Bommer hatte dieser die Kosten auf 1,6 bis zwei Millionen Euro beziffert.

Feuer in der Bad Hersfelder Klosterschänke

Bauverwaltungsleiter Johannes van Horrick sieht Bommers Trennung vom Fachmann skeptisch, vermisst beim Klosterschänken-Projekt den adäquaten Ansprechpartner. „Herr Bommer ist jetzt verpflichtet, ordentliche Pläne vorzulegen“, sagt er.

Zudem gebe es für den Wiederaufbau der Klosterschänke, die ihren Status als Denkmal wegen der irreparablen Schäden voraussichtlich verlieren wird, keinen Bestandsschutz für den bisherigen Brandschutz. Sie werde dann wie ein Neubau betrachtet, und das Baurecht sei entsprechend zu beachten. Van Horrick versicherte jedoch, dass man Bommer auch künftig auf Probleme hinweise und jederzeit bereit sei, ihn zu beraten. (ks)

Video vom Brand der Klosterschänke:

Kommentare