Damals und heute

Kai A. Struthoff

Ei, ei, ei – was für ein wunderbares Osterwochenende. Die Sonne schien so warm, dass die Ostereier schon beim Verstecken geschmolzen sind. Und die Farben der Natur sind so satt und prächtig, als hätte der Osterhase persönlich die Welt bunt gemalt. Der Frühling ist einfach eine wunderbare Jahreszeit!

Ich weiß nicht mehr, wie das Wetter vor 25 Jahren war. Aber ich weiß genau, wo ich war, als ich die Nachricht hörte. Damals studierte ich Jura in Berlin und war mit Kommilitonen „zum Lernen“ in einer Kneipe verabredet. Um 20 Uhr meldete der Sender Freies Berlin einen Störfall in einem Reaktor in Tschernobyl. Mit dieser Meldung begann eine Zeit der Unsicherheit und Angst. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, was ich esse und wo ich hingehe.

Dabei war es für mich schon die zweite Reaktor-Katastrophe. Als sich 1987 in Harrisburg in Pennsylvania im AKW Three Mile Island die Kernschmelze ereignete, sollte unsere Schulklasse zum Austausch nach Philadelphia fahren. Meine erste Reise in die USA! Bei einem Krisen-Elternabend wurde beschlossen, dass wir trotzdem fahren. Wir haben uns damals mit dem Gefühl der Unverwundbarkeit, das 15-Jährige nun mal noch haben, T-Shirts mit dem Aufdruck „I survived Three Mile Island“ gekauft und fanden das cool. Heute lacht über sowas keiner mehr. Schon gar nicht die tapferen Arbeiter in Fukushima. Sie sind wohl jetzt schon dem Tode geweiht.

Na, das fängt ja gut an! Schon vor der konstituierenden Sitzung des Stadtparlaments von Bad Hersfeld gibt’s Krach. Die Neue Bürgerliste (NBL) kritisiert vehement, dass Grüne, SPD und FWG eine Fraktion bilden, spricht von Postengekungele und Machtversessenheit. Kein Wunder, das neue Bündnis in der Kreisstadt hat die Stimmenmehrheit – ohne es geht nichts im Parlament. Das ärgert natürlich die NBL, deren erklärtes Ziel es ja war, Mehrheitsbeschaffer für Bürgermeister Fehling zu sein. Das kann sie vergessen. Auch Fehling wird sich sicher nicht über diese neue Betonfraktion freuen, auch wenn sie versichert, keine Blockade-Politik machen zu wollen.

Ein wenig wundern darf man sich aber schon über dieses neue Bündnis. Immerhin hatte die FWG der SPD im Wahlkampf gleichsam den Fehdehandschuh hingeworfen, als sie einen eigenen Bürgermeisterkandidaten nominiert hat. Alles vergessen? Und die Grünen? Die sagen, sie wollen mitgestalten und hätten einen Wählerauftrag. Na ja! Das hätte man sicher auch mit Absprachen hingekriegt – gern auch mal mit den anderen Parteien.

Das wäre zwar mühsamer, aber so ist eben Demokratie.

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