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„Da hört das Auge mit“: Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker im Interview

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Von: Mario Reymond

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Deja Vu: Das Beste aus drei Jahrzehnten Heinz Becker bringt Kabarettist Gerd Dudenhöffer auf die Bühne der Bad Hersfelder Stadthalle. Foto: nh

Bad Hersfeld. Kabarettist Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker tritt am Donnerstag, 28. September, in der Bad Hersfelder Stadthalle auf. Wir haben im Vorfeld seines Auftritts mit ihm gesprochen.

Hallo Herr Dudenhöffer, Ihr aktuelles Bühnenprogramm heißt Deja Vu, mit dem Besten aus mehr als drei Jahrzehnten. Wiederholungen sind meist langweilig. Bestes Beispiel dafür ist das tägliche Fernsehprogramm. Was bringt uns Ihre Figur Heinz Becker denn Neues mit?

Hallo Herr Dudenhöffer, Ihr aktuelles Bühnenprogramm heißt Deja Vu, mit dem Besten aus mehr als drei Jahrzehnten. Wiederholungen sind meist langweilig. Bestes Beispiel dafür ist das tägliche Fernsehprogramm. Was bringt uns Ihre Figur Heinz Becker denn Neues mit?

Gerd Dudenhöffer: Das ist zwar eine Retrospektive. Ich habe aber ein neues Programm gebaut mit neuer Dramaturgie.

Insofern kommen die bekannten Texte für die, die sie kennen, irgendwie ganz anders rüber.

Nach Ruhestand klingt das alles nicht. Sie sind jetzt 67 Jahre alt und werden kommendes Jahr 69. Wie lange werden wir Sie denn noch auf den Bühnen dieser bunten Republik erleben dürfen?

Nach Ruhestand klingt das alles nicht. Sie sind jetzt 67 Jahre alt und werden kommendes Jahr 69. Wie lange werden wir Sie denn noch auf den Bühnen dieser bunten Republik erleben dürfen?

Dudenhöffer: Ich rechne zwar immer mit dem Taschenrechner nach, weil ich denke, da stimmt was nicht – aber es kommt immer das Gleiche raus. Ich hab’ damit jetzt noch kein Problem. Wenn mir die Gesundheit keinen Streich spielt, kann ich mir auch vorstellen, mit 74 Jahren noch auf die Bühne zu gehen. Wenn das Publikum erkennt, er gibt sich immer noch Mühe, dann kommt es auch. Ich will aber niemanden bestrafen.

In Bad Hersfeld stehen sie am 28. September in der Stadthalle wieder einmal auf der Bühne. Zwei große Fans des feinsinnigen Humors sind aus privaten Gründen leider verhindert. Mein Kollege Peter Gottbehüt und ich werden an diesem Tag wieder ein Jahr älter. Heinz Becker wird uns fehlen. Wir ihm auch?

In Bad Hersfeld stehen sie am 28. September in der Stadthalle wieder einmal auf der Bühne. Zwei große Fans des feinsinnigen Humors sind aus privaten Gründen leider verhindert. Mein Kollege Peter Gottbehüt und ich werden an diesem Tag wieder ein Jahr älter. Heinz Becker wird uns fehlen. Wir ihm auch?

Dudenhöffer: Ich hoffe es. Interessierte Leute sind immer gut. Hinter dem Programm steht ja ein Autor und der hat immer Interesse, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die rege sind, die sich dafür interessieren und die objektiv darüber schreiben.

Gibt es vielleicht schon heute einen aufmunternden Spruch für den Peter und mich, die wir nicht dabei sein werden?

Gibt es vielleicht schon heute einen aufmunternden Spruch für den Peter und mich, die wir nicht dabei sein werden?

Dudenhöffer: Nee. Ich bin kein Mann von Schnellschüssen. Und jeder schnelle Schuss, der schlecht ist, ist schlechter als ein guter, der lange überlegt ist.

In unser Städtchen kommen Sie in regelmäßigen Abständen. Liegt das an der immer gut gefüllten Stadthalle, oder gefällt Ihnen Bad Hersfeld?

In unser Städtchen kommen Sie in regelmäßigen Abständen. Liegt das an der immer gut gefüllten Stadthalle, oder gefällt Ihnen Bad Hersfeld?

Dudenhöffer: Die Städte sehe ich ja nicht. Ich komme an, fahre ins Hotel und stehe später auf der Bühne. Ich glaube aber, das Hotel vor Augen zu haben. Da ist ‘ne Allee vorne dran. Es liegt zurückgesetzt und man guckt vom Zimmer aus auf ein Kurhaus. Das ist eines der wenigen Hotels, an das ich mich erinnere. Von der Besucherzahl mache ich einen guten Auftritt nicht abhängig. Es wird immer mit der gleichen Intensität gespielt.

Und nun zum derzeitigen Thema Nummer eins: Am 24. September ist Bundestagswahl. Wie würde Heinz Becker den aktuellen Wahlkampf beschreiben?

Und nun zum derzeitigen Thema Nummer eins: Am 24. September ist Bundestagswahl. Wie würde Heinz Becker den aktuellen Wahlkampf beschreiben?

Dudenhöffer: Vieles, was der Heinz Becker sagt, scheint nur so aus dem Ärmel geschüttelt zu sein. Ich müsste aber überlegen, ob es überhaupt ein Thema ist. Ich hatte mal zur Fußball WM 1986 in Mexiko mit dem Rudi Michel per Handschlag einen Vertrag gemacht, weil wir beide dachten, Fußball ist doch das Thema für Heinz Becker. Weit gefehlt.

Denn beim Fußball treten 20 Mann gegen den Ball und das ist jeden Abend dasselbe. Seit dieser Zeit bin ich sehr vorsichtig. Wenn mir ein Thema am Herzen liegt, dann muss ich gucken, wie ich es verpacke, damit es der Heinz glaubhaft gesagt haben könnte.

Mit welchem Slogan würde Heinz Becker Wahlkampf machen?

Mit welchem Slogan würde Heinz Becker Wahlkampf machen?

Dudenhöffer: Der Heinz ist nicht unpolitisch. Alles, was sozial- und gesellschaftskritisch ist, ist natürlich auch politisch. Aber da ich alte Texte spiele und die nicht komplett umgeschrieben habe, steckt in diesem Programm nichts zur tagesaktuellen Politik drin. Es wäre bestimmt ein Thema, aber dafür müsste ich mich bestimmt einen oder zweit Tage hinsetzen, überlegen, sortieren und mir einen Rahmen bauen. Aktuell habe ich keine Ahnung, wo die Reise hingehen könnte. Auch mancher Politiker würde sich einen Gefallen tun, wenn er mal einen Tag darüber nachdenkt, was er so sagt.

Dennoch: Wie würde sich Heinz Becker als Kanzler präsentieren?

Dennoch: Wie würde sich Heinz Becker als Kanzler präsentieren?

Dudenhöffer: Der Heinz Becker ist eine Kunstfigur und ich versuche ihn so realitätsnah darzustellen, wie es geht. Von daher erübrigt sich die Frage. Ein Heinz Becker wäre nie Kanzler. Er könnte aber auf der Bühne nach zwei Schnäpsen darüber räsonieren, wie es mit ihm als Kanzler wäre. Darüber könnte man sich Gedanken machen.

Die Fans in der Stadthalle dürfen sich also auf Ihren Heinz Becker freuen?

Die Fans in der Stadthalle dürfen sich also auf Ihren Heinz Becker freuen?

Dudenhöffer: Er hat seine Schaffhose an, sein Karohemd und die Cordmütze. Das Wort ist im Mittelpunkt. Aber dennoch bietet das Bühnenbild auch etwas fürs Auge, denn das hört ja bekanntlich mit. Und als ehemaligen Grafiker und Werber macht es mir dann schon Spaß, immer ein wenig am Bühnenbild zu feilen.

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