Mittendrin: Festspielstars und Gäste feiern bis in den Morgen

Tabatabai ohne Schuhe, Maske ohne Ende: Ein Rundgang über die Premierenparty

Bad Hersfeld. Die Band noch vertieft in die Schlussakkorde des letzten Liedes, saß Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabai schon am Rand des kleinen Pavillons und entledigte sich ihrer Schuhe. Ihr Tag war lang. Ein Rundgang über die Premierenparty.

Schon beim Festakt am Nachmittag war Tabatabai aufgetreten, hatte dann als einzige Darstellerin der Hexenjagd die Premiere aus dem Publikum heraus verfolgt (ihre Rolle der Sarah Good tritt nur in Filmeinspielern auf) bevor sie bei der Premieren-Party im Stiftspark dann für die musikalische Untermalung sorgte. Barfuß stand die 49-Jährige also weit nach Mitternacht am Buffet und genoss das trotz Lachsröllchen und Flammkuchen beliebteste Gericht der Party: Die Currywurst in Schalen.

Box-Legende Henry Maske: „Ausgeknockt bin ich nicht, aber es war sehr beschreibend, wie die Gesellschaft sich benimmt und wie wir die Gesellschaft erleben. Zum Glück habe ich die Erfahrung einer Hexenjagd in dieser Intensität nicht gemacht.“

In deren Nähe trieben sich auch die Hexenjagd-Darsteller Christian Nickel und Richy Müller herum, beide deutlich gelöst nach der gelungenen Premiere. Deren Bewertung war unter den prominenten Gästen das wichtigste Gesprächsthema des Abends. Ganz hoch im Kurs stand die Inszenierung bei Börsen-Guru Frank Lehmann. „Die Hexenjagd-Aktien starten etwas verhalten, steigern sich dann und am Ende würde ich sie sofort kaufen“, analysierte er fachmännisch, „das Stück hat mich sprachlos gemacht.“

Ausgelassen gute Stimmung gab es bis weit nach drei Uhr am Tisch der hochschwangeren Milka Loff Fernandes und einer echten Legende. Und das, obwohl Boxer Henry Maske zunächst noch angekündigt hatte, nach der Premiere schnell weiter zu müssen. Doch auch zu später Stunde nahm sich der Festspiel-Fan Zeit für ein paar Selfies mit Fans und war froh, „selbst noch nie die Erfahrung einer Hexenjagd in dieser Intensität gemacht zu haben.“ Ob er heute lieber auf der Bühne als im Ring stehen würde, wollte er aber nicht entscheiden. „Ich kenne ja bislang nur eine Seite der Medaille“, sagte er.

Neu kennengelernt hat in Bad Hersfeld Let’s-Dance-Jurorin Motsi Mabuse das Theaterspiel. Noch etwas aufgekratzt wirbelte die „Tituba“ nach der Premiere durch den Park und verzauberte jeden mit ihrem Lächeln. „Ich bin erleichtert“, erzählt sie im Gespräch. Ob sie sich jetzt vorstellen könne, weiter auf der Schauspielbühne zu stehen? „Da sage ich nicht nein!“

Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabai: „In meiner Rolle als Pennerin kann ich mich mal so richtig gehen lassen. Es ist ein Traum, in eine solche Rolle zu schlüpfen und mit dem großartigen Dieter Wedel zu arbeiten.“

Deutlich mehr Erfahrung hat da Diana Körner. Die 71-Jährige lobte das aufwendige Bühnenbild, das gerade bei den Bad Hersfelder Ruinen-Puristen für Diskussionsstoff sorgen könnte, als „gut gelöst und richtig spannend.“ Angereist war Körner mit ihrer Tochter Lara Joy Körner, ebenfalls Schauspielerin. Die beiden blieben bei weitem nicht das einzige Familiengespann. Markus Majowski, in diesem Jahr noch im Stück „Der Kredit“ zu sehen, kam mit Sohn Julius und Milena Tscharntke sah man im Stiftspark nie ohne ihre Mutter, die Schauspielerin Andrea Lüdke.

Unzertrennlich auch Stars einer anderen Schauspiel-Generation: Am Tisch von Intendant Dieter Wedel verbrachten Peter Weck und Susanne Uhlen einen entspannten Abend. Letztere plant trotz vollständiger Genesung zwei Jahre nach einer Krebs-Diagnose vorerst keine Rückkehr auf die Bühne. Bei der Hexenjagd hatte der 61-Jährigen vor allem eine Darstellerin imponiert. „Ich fand Jasmin Tabatabai einfach fantastisch“, verriet sie und lobte auch das Publikum als „hochkonzentriert an einem langen Abend.“ Sie pflegt seit Jahren einen engen Kontakt zu Wedel, wie Monika Liegmann verriet. „Er ruft sie regelmäßig an, um zu hören, wie es ihr geht“, erzählte die Pressesprecherin.

Schauspielerin und Tanz-Jurorin Motsi Mabuse: „Bei der Medienprobe vorher war ich sehr aufgeregt, bei der Premiere dann ganz entspannt. Für mich ist das ja etwas ganz Neues. Wenn ich etwas mache, dann will ich es auch gut machen. Ob ich weiter Schauspiel mache? Ich sage nicht nein und lasse das mal auf mich zukommen.“

Bunte Glanzpunkte setzte derweil Schauspielerin Dunja Rajter, die im blumigen Abendkleid kam und hellauf begeistert war. „Als ich das Stück vor vielen Jahren gelesen habe, hatte ich dabei seelische Schmerzen. Und heute habe ich das gleiche gefühlt. Sehr beklemmend, aber toll inszeniert“, schwärmte die 70-Jährige. Bewegt berichtete auch Anouschka Renzi von ihren Bezügen zu Bad Hersfeld. In den 80er-Jahren hatte bereits ihre Mutter Eva bei den Festspielen gestanden. „Das Stück hinterlässt mich sprachlos“, sagte sie, „ich hätte gern mitgespielt.“

Voll des Lobes auch die Politiker aus der Region. Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt sprach von einem „rundum schönen Abend“, der Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich fühlte sich in die 30er- und 40er-Jahre zurückversetzt. Auch unter den Gästen: Ex-Intendantin Elke Hesse, neuerdings mit schulterlangem Haar.

 

66. Bad Hersfelder Festspiele: Roter Teppich

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