Für den Job: Molekularbiologe Immo Hansen lebt mit seiner Familie in Las Cruces

Her mit dem Cowboyhut

Auf der Suche nach Fossilien: Immo Alex Hansen in den Robledo Mountains, New Mexico. Fotos: privat

Bad Hersfeld/New Mexico. Wenn Immo Hansen morgens in die Pedalen tritt und sein Fahrrad zur New Mexico State University lenkt, zischen Autos und lärmende Trucks an ihm vorbei. Kein Kollege des Biologen käme auf die Idee, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Das ist eine Gewohnheit, die Immo Hansen aus Deutschland mitgebracht hat, als er im August 2008 mit seiner Familie nach Las Cruces in New Mexico/USA gezogen ist. Dort arbeitet er als Professor für Molekularbiologie.

„Wir haben hier in der Chihuahua-Wüste 350 Tage im Jahr Sonne“, sagt Hansen. Dazu kommen „die Berge, die Landschaft, die gute Luft“. Diese Dinge liebt er an der neuen Heimat. „Den ständigen Regen aus der alten Heimat vermisse ich nicht.“ Und im Sommer lässt es sich der 40-Jährige Familienvater nicht nehmen, seinen Cowboyhut aus Stroh tief in die Stirn zu ziehen. „Irgendwann im Herbst muss es ein geheimes Signal geben, denn innerhalb weniger Tage wechseln alle zu schwarzen Filzhüten“, sagt Immo Hansen. Er auch.

Aber nicht die lässigen Hüte haben den Waldhessen nach New Mexico gezogen, sondern eine Professorenstelle als Biologe. „Im deutschen akademischen System wären meine Chancen, einen Job zu bekommen, sehr gering gewesen“, sagt der 40-Jährige. An der New Mexico State University leitet der Molekularbiologe eine achtköpfige Arbeitsgruppe im eigenen Labor mit eigenen Forschungsmitteln.

Das bisher größte Abenteuer seiner Auswandererzeit hat Immo Hansen jedoch einem seiner Hobbys zu verdanken. Dem Sammeln von Fossilien. Bei der ersten Wanderung der Familie in New Mexico führte ein Kollege des Biologen sie in die Robledo Mountains. Das Ziel: Dinosaurierspuren. Doch nachdem das Grüppchen drei Meilen in einem ausgetrockneten Flussbett bergauf gekraxelt war, begann es zu regnen. „Das ganze verwandelte sich in einen Sturzregen und überall bildeten sich Wasserfälle“, erinnert sich Hansen. Er wurde samt Familie nicht nur klatschnass auf dem Weg zum Auto, sie mussten sogar mehrmals durch knietiefes, reißendes Wasser waten.

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„Mein Sohn meinte später, dass das die tollste Wanderung seines Lebens war“, sagt Hansen. Für die Hansens samt Frau Anja und den Kindern Pia, Frederick und Clara ist New Mexico nicht die erste Station im Ausland. 2003 zogen sie schon einmal nach Kalifornien, lebten dort viereinhalb Jahre, gingen für ein Jahr nach Konstanz an den Bodensee und dann nach New Mexico. Die Auswanderung sei durch den ersten Aufenthalt in den USA leichter gewesen. „So hatte ich schon eine Sozialversicherungsnummer. Ohne die kann man hier keine Wohnung mieten, kein Konto eröffnen, eigentlich nichts.“

Ultrareligiöse Spinner

In New Mexico gibt es aber auch Dinge, die den passionierten Angler, Jäger und Wanderer stören. Dazu gehören „viele ultrareligiöse Spinner und zu viele Trucks auf den Straßen. Außerdem gibt es einfach kein vernünftiges Brot“, sagt er. Da er nicht nach Deutschland kommen kann, solange er noch keine Greencard hat, fliegen seine Eltern, die in Bad Hersfeld leben, und seine Schwester im Sommer in die USA. Und vielleicht haben sie ja das richtige Brot im Koffer.

Von Judith Strecker

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