Mut und Courage

Kai A.

Seit der Kommunalwahl sind die Parlamente im Kreis bunter und die politischen Debatten abwechslungsreicher geworden. Im Kreistag hält die junge, grüne Fraktion die Altvorderen mit vielen Anträgen und Ideen auf Trab. In der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung sorgen vor allem die NBL und die FDP mit bohrenden, aber berechtigten Fragen für kreative Unruhe.

„Wir lassen uns nicht von Ihnen durch die Stadt treiben“, herrschte deshalb jetzt SPD-Urgestein Bernd Wennemuth den erst 22-jährigen FDP-Fraktionschef Bernd Böhle an. Dieser ließ sich aber auch von Wennemuths bösestem Lehrerblick nicht einschüchtern und beharrte wacker auf Auskünfte über die Finanzlage der Vitalisklinik, für die das Parlament eine Ausfallbürgschaft über immerhin 3,47 Millionen Euro verabschieden soll.

Gewiss, diese Zahlen, mit denen Otto-Normalbürger eh nix anfangen kann, gehören nicht in jedem Fall öffentlich diskutiert – schließlich geht es auch um Betriebsgeheimnisse. Dennoch reißen die Gerüchte um die Klinik nicht ab. Der NBL-Finanzexperte Uwe Kohlstädt vermutete im Haupt- und Finanzausschuss gar „Buchungstricks“ bei der Ausgründung. Vertrauen in die Klinik kann so nicht geschaffen werden. Die Bürgschaft indes, so versichert auch der Bürgermeister, wird dringend gebraucht. Deshalb müssen Wege gefunden werden, um den Parlamentariern die notwendigen Informationen für ihre wichtigen Entscheidungen zu geben.

Die Kollegen vom Kreisanzeiger haben die Hochzeitsglocken zuerst gehört. Unser SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Roth heiratet seinen langjährigen Lebensgefährten. Roth hat aus seiner Homosexualität nie ein Hehl gemacht, ging damit aber auch nicht hausieren, wie mancher Polit-Kollege – das ist auch gut so. Als gläubiger Protestant, der auch in der evangelischen Kirche aktiv ist, will er natürlich kirchlich heiraten. Eigentlich nichts Besonderes, oder?

Und doch ist diese Hochzeit wohl mehr als nur eine bloße Herzensangelegenheit, sondern sie zeugt auch von Courage. Denn ich erinnere mich mit Grausen an viele hämische Kommentare, die im Wortsinn unter der Gürtellinie waren, oder an die Leserbriefe, als wir über die gleichgeschlechtliche, kirchliche Trauung zweier Frauen vor kurzem in Bad Hersfeld berichtet haben. So mancher muss hier noch an Toleranz und seinem christlichen Menschenbild arbeiten.

Beherzt war auch die Initiative des 1. Stadtrats Dr. Rolf Göbel, der mit den Königs-Skulpturen im Stiftsbezirk an die reiche Geschichte Bad Hersfelds erinnern will. Leider sehen die gekrönten Häupter nach nur zwei Wochen schon arg ramponiert aus. Wetter und Vandalismus haben ihnen schnell zugesetzt. Vielleicht sollte man den Majestäten doch ein Dach überm Kopf gönnen. In der Eingangshalle der Ruine oder auch in der Stadthalle würden die Skulpturen sicher und würdig stehen und ebenfalls gut zur Geltung kommen.

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