Kabarettist begeisterte sein Publikum zwei Stunden lang in der Bad Hersfelder Stadthalle

Der Olm als Christbaumkugel

Augen- und Ohrenschmaus: Hans-Werner Olm gibt den Minnesänger. Foto: nh

Bad Hersfeld. In der nicht ausverkauften Bad Hersfelder Stadthalle begeisterte am Dienstagabend Hans-Werner Olm sein Publikum. In graukarierter Stoffhose und knallrotem Glitzerhemd schlurfte der Komiker auf die Bühne. Schließlich bildete der Auftritt in der Kreisstadt den Abschluss seiner 80-tägigen Tour. Und die schien sichtlich ihre Spuren hinterlassen zu haben.

Kugelbauch

Rundlich zeichnete sich ein Kugelbauch unter dem knallengen roten Hemd ab – und erinnerte irgendwie an eine Christbaumkugel, wie der Komiker selbst anmerkte. „In meinem Alter ist es nicht so einfach, sich am Östrogenbuffet den Teller vollzuhauen“, meint Olm. Trotzdem würden Männer nie Sportarten wie Nordic Walking anfangen, sondern „lieber heillos verfetten, als sich so einer Demütigung auszusetzen“.

Auch wenn Olm zunächst schwächlich wirkte, lief er langsam aber sicher zur Bestform auf und präsentierte zwei Stunden lang derben Humor. Auf ironische Art und Weise thematisierte er neben dem Schlankheitswahn auch die Überalterung der Gesellschaft sowie die Auswüchse der Fernsehlandschaft – unter anderem die Super Nanny.

Auf die Fontanelle

Früher hätten freche Kinder eine mit der Dachlatte auf die Fontanelle bekommen. „Heute wird aus der Dachlatte erst eine stille Treppe gebaut“, regt sich Olm auf. Heute könne man „nicht einmal mehr in Ruhe verwahrlosen, ohne dass gleich ein Team von RTL vor der Tür steht.“

„Wenn dein Auto heute einen Motorschaden hat, dann bist du hilflos wie ein Berufsberater in Cottbus“.

Hans-Werner Olm

Dem Kontenflüsterer Peter Zwegat schlägt Olm vor, einmal bei der Bundeskanzlerin vorbeizuschauen: „16 Bundesländer - ist das wirklich nötig? Reichen denn nicht auch elf?“, imitiert er den Fernseh-Schuldnerberater und erntet lauten Beifall. In Leipzig habe bei diesem Gag unverständlicherweise Totenstille in der Halle geherrscht, erzählt er.

Ausführlich widmete sich Hans-Werner Olm auch der demografischen Entwicklung. Die Menschen werden immer älter: „Wie alt ist eigentlich Jopi Heesters? Das weiß doch niemand mehr. Also Bein absägen und Jahresringe zählen“.

Überhaupt sei alles fest in Rentnerhand. Selbst die Urlaubsdomizile. „Wie müssen sich eigentlich deren Kinder fühlen, wenn die Alten das Geld verprassen. Das ist doch aktive Enterbung“, regt sich Olm auf. Auf den Speisekarten der Restaurants finde sich schon lange kein Pinocchio-Kinderteller mehr. „Der wurde längst von der Landser-Platte abgelöst“.

Auch die katholische Kirche um Papst Ratzinger wegen der unzähligen Missbrauchsfälle und Thilo Sarrazin, „der alte Kopftuchjäger“, bekamen ihr Fett weg.

Neben seinen verbalen Attacken gegen alles und jeden machte der Komiker, animiert von Lena Meyer-Landruts Lied „Satellite“, auch Musik. Den Grand-Prix-Hit der Hannoveranerin bot er als Barry White (erotisch hauchend), James Brown (kehliges Brunftgeschrei), Rammstein (röhrend) oder Barry Gibb (hechelnd und heulend).

Von Mario Reymond

Kommentare