Den musikalischen Sonntagsgruß vom Turm der Stadtkirche gibt es seit 110 Jahren

Choräle hoch über den Dächern

Musikalischer Morgengruß in Richtung Marktplatz: Hans-Georg Franke dirigiert die Bad Hersfelder Turmbläser , die auf der schmalen Turmgalerie der Stadtkirche spielen. Nicht immer herrscht hier so freundliches Wetter wie gestern morgen. Foto: z

Bad Hersfeld. Aus Posaunen, Trompeten und Hörnern erklang aus luftiger Höhe die Melodie von „Lobet den Herren“, als am Sonntagmorgen die ersten Kirchgänger über den Bad Hersfelder Marktplatz eilten.

Der musikalische Morgengruß der Bläserinnen und Bläser hoch oben auf der schmalen Galerie des Stadtkirchenturms hat hier Tradition, stand gestern aber unter einem besonderen Zeichen: Vor 110 Jahren begann der regelmäßige Dienst der Turmbläser des CVJM (damals noch evangelischer Jünglingsverein). Seit dem ist er nur einmal, am Ende des zweiten Weltkriegs, als der Turm einen Artillerie-Treffer erhalten hatte, kurzzeitig unterbrochen worden.

220 Stufen zum Konzert

Die CVJM-Bläser werden mittlerweile verstärkt durch Musikerinnen und Musiker aus dem Posaunenchor der evangelischen Johannesgemeinde. Acht bis zehn von ihnen wagen im Jahresdurchschnitt den mühevollen Aufstieg über 220 mehr oder weniger ausgetretene Stufen bis zum Türmerstübchen unter der Dachhaube – und haben dann noch genügend Puste für ihre Instrumente. Gestern, zur Feier des Tages, waren es sogar 15 Aktive, die das kurze Konzert über den Dächern der Stadt gestalteten.

Dirigiert wurden sie dabei vom 74-jährigen Hans-Georg Franke, der seit dem 19. Mai 1946 zu den Hersfelder Turmbläsern gehört. Franke und Eckhard Hahn, der allerdings wegen Knieproblemen den Aufstieg nicht mehr schafft, sind die Ältesten der Truppe.

Gespielt wurde am Sonntag übrigens auch der Choral „Oh dass ich tausend Zungen hätte“, der nachweislich beim ersten Turmblasen am 5. Mai 1901 erklang. Nach jedem Stück wechselt die Bläserriege die Turmseite, so dass immer alle vier Himmelsrichtungen beschallt werden. (z)

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