Menachem Har-Zahav bot eine lebendige Hommage an einen 200-Jährigen

Chopins Musik verzaubert

Zu den jüngsten Besuchern des Konzertes mit Menachem Har-Zahav gehörte David Sippel, der fasziniert beobachtete, wie der Pianist mit seinen Händen zu zaubern wusste. Foto: Janßen

Bad Hersfeld. Ob es nun der 22. Februar oder der 1. März war, an dem sich der Geburtstag des Komponisten Frédéric Chopin zum 200. Mal gejährt hat, darüber streiten sich bis heute die Gelehrten. Unstrittig ist jedoch, dass die Musik des prominenten Geburtstagskindes auch heute noch sehr frisch und lebendig auf ihre Zuhörer wirkt – vor allem, wenn sie derart virtuos und brillant gespielt wird, wie von dem israelisch-amerikanischen Pianisten Menachem Har-Zahav in seiner „Hommage an Chopin“.

Kontrastreich

Völlig ohne Worte und mit sehr sparsamer Gestik und Mimik wirkte Har-Zahav als Interpret total zurückgenommen und introvertiert. Im Mittelpunkt des Konzertes stand allein die Musik Chopins, die er mit bemerkenswerter Sensibilität und Empfinden für die in Chopins Kompositionen angelegte Farbigkeit und dem Kontrastreichtum interpretierte.

Die Kontraste wurden gleich zu Beginn, bei den energiegeladenen Läufen des Valse e-moll und in dem, in seinen Anfangspassagen eher dunkel angelegten Nocturne in cis-moll hörbar. Hier konnte Har-Zahav die ganze Bandbreite zwischen melancholisch-weichen und kraftvoll-zupackenden Passagen ausloten.

Zu hören waren darüber hinaus drei der technisch extrem anspruchsvollen Etüden Chopins, die Har-Zahav mit Eleganz und höchster Konzentration meisterte. Eindrucksvoll wusste der Interpret hier, wie in allen anderen gespielten Werken, Akzente zu setzen und selbst Pausen als außerordentlich wirkungsvolles Stilmittel einzusetzen, ohne dass diese den Pulsschlag und den Fluss der Musik in irgendeiner Weise beeinträchtigt hätten.

Der melodische Einfallsreichtum Chopins wurde besonders in den beiden Polonaisen in cis-moll und d-moll sowie in der g-moll-Ballade hörbar, mit der Har-Zahav den zweiten Teil des Konzerts eröffnete. Auch hier trug die sehr transparente und perfekt durchhörbare Interpretation entscheidend zum Hörgenuss bei. Den Schluss- und Höhepunkt des regulären Programms bildete die Sonate Nr. 2 in b-moll, insbesondere der bekannte Trauermarsch, den Har-Zahav sowohl dynamisch wie auch in seinen Klangfarben eindrucksvoll und elegant auszuloten wusste.

Drei Zugaben

Mit drei Zugaben verabschiedete sich der Pianist vom Publikum in der gut besetzten Stadthalle, das sich für ein begeisterndes Konzert mit lang anhaltendem Beifall revanchierte. Ein lebendiger Beweis für die Beliebtheit, der sich Chopins Musik auch 200 Jahre nach der Geburt des Komponisten erfreut, waren die jungen Zuschauer, die sich von Har-Zahavs Chopin-Interpretationen verzaubern ließen.

Von Ute Janssen

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