Chefsache, Detailarbeit und Pächter-Ärger

Karl Schönholtz

Das Entgegenkommen der Deutschen Bahn, die Wartehalle im Bad Hersfelder Bahnhof wieder durchgehend geöffnet zu lassen, in allen Ehren – aber die wortreichen Ausführungen des Konzernbevollmächtigten Vornhusen zum Thema Zugzielanzeiger (das sind die Kästen an den Bahnsteigen, in denen alle Informationen zum nächsten eintreffenden Zug abzulesen sind): Geschenkt!

Die vom nordhessischen Verkehrsverbund zur Verfügung gestellten „dynamischen Anzeigen“ – da wird die Uhrzeit angezeigt und bei Bedarf eine Verspätungsmeldung – plus Lautsprecherdurchsagen vom Turm der Fahrdienstleitung – das ist Stand der Dinge und wird so bleiben. Dass das für einen ICE- und IC-Haltepunkt und im Vergleich zu weit weniger bedeutenden Bahnhöfen (Hünfeld!) ein bisschen mager ist, scheint bei der Bahn niemanden zu interessieren.

Vielleicht glaubt man aber auch, es habe sowieso jeder Reisende die App der Bahn auf seinem Smartphone und so den Zugriff auf alle aktuellen Informationen. Vielleicht informieren sich die Bahn-Oberen aber auch mal bei Bad Hersfelds neuem Festspielintendanten Dieter Wedel, der den Komfort der Besucher gerade zur Chefsache erhoben hat. Auf die Bahnreisenden bezogen heißt das: Wir wollen immer noch Zugzielanzeigen!

Zu sehen ist immer noch nichts, doch das Mega-Bauvorhaben eines Einkaufszentrums im Bad Hersfelder Rechberggelände an den Standorten von Post und Raumgalerie nimmt Fahrt auf. Im Hintergrund werde an zahlreichen Details gearbeitet, wusste Bürgermeister Thomas Fehling im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wusste aber auch, dass ein derart komplexes Projekt nicht von jetzt auf gleich genehmigungsreif geplant werden kann, weil auch im Umfeld der eigentlichen Baustelle – etwa bei der Verkehrsführung – allerhand zu bedenken ist.

Der Ratskeller ist und bleibt ein Sorgenkind: Seit dem Auszug des über viele Jahre erfolgreichen Jugoslawen (ist also schon lange her!) haben sich die Nachfolger die Klinke in die Hand gegeben und meist nicht lange durchgehalten. Selbst ein renommierter Hünfelder Gastronom, mit dessen Namen sich große Hoffnungen verbunden hatten, gab wieder auf.

Vor einigen Wochen hat nun ein weiterer Pächter das Lokal geschlossen, und die Stadt sucht wieder mal einen Nachfolger. Problematisch ist dabei vor allem der Zugang über eine steile Treppe in den Keller – keine Chance für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer. Obwohl zuletzt ordentlich in Küche und Ausstattung investiert wurde, scheint das Keller-Konzept heutzutage nicht mehr zu funktionieren.

Schade, denn viele Hersfelder erinnern sich gerne an gemütliche Stunden bei gutem Essen in ihrem Ratskeller.

Kommentare