Dem Chef ein gutes Stückchen näher

Riesenrad-Interview mit Schausteller-Seelsorger Volker Drewes

Besondere Perspektive: Aus dem Riesenrad wirft Schausteller-Seelsorger Volker Drewes einen Blick auf die Stiftsruine. Auch wenn er sich um viele Rummel im Umkreis kümmert, ist das heimische Lullusfest für ihn etwas besonderes. Foto:  Deppe

Bad Hersfeld. Steht man mit Volker Drewes auf dem Festplatz, ist es gar nicht so leicht, ein Gespräch mit ihm zu führen. Im Minutentakt kommen Menschen vorbei, die ihn grüßen oder ihm kurz etwas erzählen wollen. Kein Wunder, der 63-Jährige ist bekannt unter den Schaustellern. Seit mehr als zwei Jahrzehnten kümmert er sich um die Seelsorge.

Wie fühlt es sich für einen Mann der Kirche an, dem Himmel entgegen zu fahren? 

Drewes: Das sagen die Schausteller auch immer, wenn ich mal Riesenrad fahre: ‘Jetzt kommst Du Deinem Chef ein Stückchen näher.’ Ansonsten denke ich da aber nicht drüber nach.

Welchen Rat suchen die Schausteller bei ihrem Seelsorger?

Drewes: Ich habe ja mehrere Funktionen. Zum einen begleite ich Menschen bei familiären Fragestellungen, die jeder andere Mensch auch hat. Wenn Vertrauen aufgebaut wurde, kommt es aber auch vor, dass ich in Geschäftsangelegenheiten um Rat gefragt werde.

Sie begleiten Schausteller jetzt schon seit fast drei Jahrzehnten. Welche Geschichte kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie zurückschauen? 

Drewes: Die hängt sogar mit Bad Hersfeld zusammen. Ein Paar, das mit seinem Geschäft hier war, wollte in Augsburg heiraten und hatte auch schon alles geregelt. Leider wurden sie dann vom Pfarrer versetzt. Da haben sie mich angerufen und gefragt, ob ich nicht nach Augsburg kommen könnte. Wir hatten das Traugespräch hier eigentlich mehr aus Jux geführt, gar nicht so ernsthaft. Und natürlich bin ich hingefahren und habe die getraut.

Haben Sie noch Kontakt zu den beiden? 

Drewes: Ja, klar. Wenn wir uns auf Festplätzen treffen sowieso, ansonsten telefonieren wir auch mal. Diese Beziehungen zu den Schaustellern gehen oft sehr viel tiefer als im Privatleben. Man sieht sich ja eben nicht so oft, aber wenn, dann ist das gleich sehr persönlich.

Schausteller sind reisende Menschen. Wie gelingt es Ihnen, in der Kürze der Zeit Vertrauen aufzubauen? 

Drewes: Natürlich dauert das länger, weil wir uns nicht so oft sehen. Man muss also in der Tat schnell Vertrauen schaffen, wissen wer der jeweilige Vorgänger von mir war, weil es zu dem oftmals enge Beziehungen gab.

Haben Sie einen Lieblingsrummel? 

Drewes: Nein. Würde ich aber auch nicht verraten. Aber natürlich ist das Lullusfest ein besonderes, weil ich ja hier wohne. Das kann man nicht vergleichen.

Sagen Sie uns denn Ihr Lieblingsfahrgeschäft? 

Drewes: Als Schaustellerpfarrer muss ich die Geschäfte einweihen, also die erste Fahrt damit machen. Und da muss ich zugeben, früher konnte es mir nicht wild genug sein und heute fühle ich mich in der Tat im Riesenrad am wohlsten.

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