Hersfelder Fernfahrer war mit der Tachoscheibe eines Toten unterwegs

Der Chef hat ihn gedrängt

Unna/Bad Hersfeld. Mitte Januar dieses Jahres wurde Michael P. (33, Name geändert) auf der A44 bei Fröndenberg angehalten: Die Polizeibeamten stellten bei einer Routinekontrolle fest, dass der Fernfahrer aus Bad Hersfeld mit einem falschen Führerschein unterwegs war. Er durfte lediglich Zugmaschinen bis 7,5 Tonnen fahren, das Fahrzeug der Bad Hersfelder Spedition wog jedoch fast zwölf Tonnen.

Noch spektakulärer war jedoch der Fund, der den Beamten im Fahrerhaus des Lkw in die Hände fiel: Der Mann hatte die Tachoscheibe eines Kollegen benutzt, der schon eine ganze Weile verstorben war.

Wegen fahrlässigen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und des Missbrauchs von Ausweispapieren verurteilte das Amtsgericht Unna am Mittwoch den 33-Jährigen zu 750 Euro Geldstrafe, 30 Tagessätze zu je 25 Euro.

„Mein Chef hat mich dazu gedrängt, an Ruhe- und Lenkzeiten hat sich bei uns niemand gehalten“, begann der Hersfelder sein Geständnis vor Gericht. Der Inhaber der Spedition habe andere Tachoscheiben verteilt und das Personal angewiesen, diese zu nutzen. „Der hat ständig mit Kündigung gedroht“, sagte Michael P. aus.

Niemand sagte es ihm

Auch zur Sache mit dem verkehrten Führerschein äußerte er sich: „Ich habe meine alte Fahrerlaubnis gegen die neue im Scheckkarten-Format eingetauscht. Da hat mir niemand gesagt, dass ich den LKW nicht würde fahren dürfen“, sagte er. Auch sein Chef habe gesagt, dass alles in Ordnung sei. Bei fünf, sechs Kontrollen der Polizei sei auch nie etwas aufgefallen. Bis zur Kontrolle in Fröndenberg – die Beamten schauten genauer hin. Zwar stimmte das gesamte Gewicht des Fahrzeugs, denn alte Klasse 3-Inhaber dürfen bis zu 17,5 Tonnen bewegen. Doch die Zugmaschine wog zu viel.

Der Angeklagte hatte um eine geringe Geldstrafe gebeten. Er müsse unbedingt seinen Führerschein behalten, denn er habe nun einen neuen Arbeitsplatz bei einer anderen Spedition gefunden.

Von Jens Kroemer

Kommentare