Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel besucht das Logistik-Zentrum von Amazon

SPD im chaotischen Lager

Die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz und SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel lassen sich von Amazon-Teamleiter Thorsten Berg aus Bad Hersfeld erläutern, wie ein Warenpaket richtig verpackt wird Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Amazon und die SPD haben offenbar einiges gemeinsam. „Arbeite hart, habe Spaß dabei und schreibe Geschichte“ – das Motto des Internet-Versandhauses sei auch das Motto der hessischen Sozialdemokraten stellte Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel gestern bei einem Besuch des Amazon-Logistikzentrums in Bad Hersfeld launig fest.

Organisiertes Chaos

Der SPD-Politiker war gemeinsam mit der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz und dem Landtagsabgeordneten Torsten Warnecke unterwegs auf Kommunalwahlkampftour im Kreis. Über zwei Stunden lang ließ sich Schäfer-Gümbel von Amazon-General-Manager Robert Marhan durch die riesigen Lagerhallen führen und staunte dabei über die ausgefeilte Organisation des Versandhauses.

„Wir betreiben hier eine chaotische Lagerhaltung“, erläuterte Marhan. Trotz dieses scheinbaren Chaos, in dem Toaster neben Büchern, Spielen und Legobausätzen lagern, kommen alle Waren pünktlich zum Kunden. Das liege an einem Computer gestützten Code-System, aber auch an der Zuverlässigkeit der Mitarbeiter. In in roten Warnwesten gehüllt wuseln sie mit großen Wagen emsig durch die Hallen.

Pro Schicht legen sie dabei oft mehr als zehn Kilometer zwischen den teils haushohen Regalen zurück, um die richtigen Waren aus dem viele hunderttausend Artikel umfassenden Sortiment zusammenzustellen. Einige tausend Artikel pro Stunde verlassen so die 100 000 Quadratmeter großen Hallen.

Mitarbeiter sind wichtig

„Unsere Mitarbeiter und ihre Sicherheit sind das einzige Thema, das bei uns wichtiger ist als die Kundenorientierung“, erklärte Marhan. Der Respekt vor der Arbeit der derzeit über 1000 Mitarbeiter sei ein wichtiger Bestandteil der Firmenphilosophie von Amazon. Das hörte Elke Künholz gern, die über die Optionskommune viele Langzeitarbeitslose an Amazon vermitteln konnte. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, sagte sie. Dank Amazon habe der Kreis im Dezember 2010 einen historischen Tiefstand bei den Hartz-IV-Empfängern verzeichnet. Künholz lobte vor allem die familienfreundliche Arbeitszeiten der so genannten Mütterschichten von 8 bis 12 Uhr.

„Ich habe einen guten Eindruck“, sagte Schäfer-Gümbel nach dem Besuch, obwohl er bedauere, dass die für Sozialdemokraten so wichtigen Themen wie Leiharbeit und Entlohnung dabei bewusst ausgeklammert waren.

Er habe aber den Eindruck, dass Amazon diese Themen ernst nehme. Er kündigte an, dazu auch mit der Amazon-Konzernleitung Kontakt aufzunehmen.

Nicht zu freizügig

Mit Sorge blickt Schäfer-Gümbel aber auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit, die ab dem 1. Mai gelte. Die SPD fordere daher klare Vergaberichtlinien und Mindestlöhne. „Wer hier voll arbeitet, der muss auch davon leben können“, sagte der SPD-Politiker.

Im Anschluss an den Amazon-Besuch besichtigte Schäfer-Gümbel noch die Grundschule in Ronshausen, die Firma IBR-Messtechnik in Haunetal und die Firma Wincanton in Kirchheim.

Von Kai A. Struthoff

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