Satirischer Jahresrückblick im Buchcafé

Chaos im Keller des Kanzleramts

Im Auftrag der Europäischen Zentralbank versucht Geheimagent Bruce Willis (Thilo Seibel, oben) im Keller des Kanzleramts aus Regierungssprecher Pofalla (Lüder Wohlenberg) den Verbleib des verlorengegangenen Vertrauens in die Stabilität des Euros herauszubekommen. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Einen satirischen Jahresrückblick gaben die beiden Kölner Kabarettisten Lüder Wohlenberg und Thilo Seibel jetzt im Buchcafé.

Als erstes erinnerte Medizinexperte Lüder Wohlenberg an die Medien-Kakofonie zum auftauchen des EHEC-Erregers in Deutschland.

Ein weiteres Stichwort des Jahres dürfte „Piratenpartei“ lauten. Nach einer kurzen Analyse des noch etwas dürftigen Parteiprogramms dieser relativ neuen Protestpartei, welches als Programm-Schwerpunkte freie Busfahrtickets, freies Internet für alle und Legalisierung von Drogen beinhaltet, stellt Thilo Seibel die provokante These auf, dass der typische Piratenwähler wahrscheinlich gerne bekifft im Bus mit seinem Handy im Internet surft.

Sonderbeauftragte

Im Programm von Wohlenberg&Seibel gibt es auch einen Sonderbeauftragten, Supergeheimagent und Actionheld Bruce Willis (glaubhaft dargestellt von Thilo Seibel), der im Auftrag von EU-Zentralbankpräsident Barroso und Gott im deutschen Kanzleramt seine Ermittlungen aufnimmt. Mit dabei hat er seine beiden Rettungs(regen)schirme in blau und rot, die er wahl- und ziellos öffnet und wieder schließt.

Im Keller des Bundeskanzleramts findet er im Schein seiner Taschenlampe den, von Chefin Angela Merkel gefesselten und geknebelten, Regierungssprecher Ronald Pofalla (glaubhaft dargestellt von Lüder Wohlenberg), dem er nur scheibchenweise Hinweise zum Verbleib des allgemeinen Vertrauens entlocken kann.

Zudem erklärt Lüder Wohlenberg die Vorgänge im Frontalhirn von Ronald Pofalla bei dessen berühmten Verbalausrutscher „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen“ und vergleicht sie mit der Konfliktbewältigung von evolutionären Vorgängern z. B. dem Lurch, welcher vor Millionen von Jahren noch ohne Frontalhirn auskommen musste.

Thilo Seibels Spezialgebiet ist die Parodie. So präsentiert er eine fiktive Ethikkommission des Bundestages mit so höchst unterhaltsamen Mitgliedern wie Edmund Stoiber und Franz Müntefering. Er verfolgt die atompolitische Bremsspur der deutschen Bundesregierung vom japanischen Fukushima bis in die Unterhose von Rainer Brüderle und erinnert an das peinliche Versagen der Politik beim einführen des „umweltfreundlichen“ Biosprits E10.

Berlusconi, Papstbesuch und Plagiatsaffäre waren weitere Themen des etwas anderen Rückblicks auf das Jahr 2011. (rö)

Kommentare