Ausschuss gibt mit knapper Mehrheit 200 000 Euro frei

Chance für „Smart City“ in Bad Hersfeld

Bad Hersfeld. Mit der knappen Mehrheit von 5:4 Stimmen hat der Haupt-. und Finanzausschuss der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung den Sperrvermerk über 200 000 Euro aufgehoben, die im Haushalt 2016 für das Digitalisierungsprojekt „Smart City“ eingeplant waren.

Damit erhält das von Bürgermeister Thomas Fehling befürwortete Konzept, der Stadt über Wertschöpfung aus Datensammlungen eine zukunftsträchtige Perspektive zu verschaffen, eine Chance.

Vor der Abstimmung hatte der Informatiker Prof. Dr. Lutz Heuser vom Urban Software Institute mit Sitz in Chemnitz den Stadtpoltikern zu verdeutlichen versucht, dass „Smart City“ nicht nur für Ballungszentren interessant ist. „Sonst wäre ich nicht hier“, sagte Heuser und betonte, dass es bei den Konzepten in erster Linie um Wertschöpfung gehe und nicht um Technologie. „Die ist nur Mittel zum Zweck“.

Problemlose Nutzung

Eine schnell und problemlos umsetzbare Nutzung für Bad Hersfeld sieht Heuser in der Erfassung von Verkehrsdaten, die am Ende einem reibungslosen Verkehrsfluss dienen sollen. Interessant sei dies nicht nur für die Stadt selbst, sondern auch für die Automobilindustrie. Dabei gehe es um Echtzeitdaten. „Nicht das, was vor 15 Minuten passiert ist, ist gefragt, sondern das von vor einer Sekunde“, sagte Heuser. Zu bewerkstelligen sei dies „mit kleinen Ertüchtigungen“ der Ampelanlagen.

Heuser sprach von „sofort garantierten Linzenzeinnahmen“ für die Stadt und bot auch dafür sein Unternehmen als Vertragspartner an. „Wer mitmacht, kriegt die Bude eingerannt“, schwärmte der Professor von positiven Aussichten.

„Smart City“ beschränkt sich freilich nicht auf das Thema Verkehr. Heuser berichtete von einem Urlaubsort in Australien, der beispielsweise die Füllhöhen der Müllbehälter im öffentlichen Bereich über Sensoren kontrolliert, um ebenso sinnvoll wie kostensparend leeren zu können. Als Referenzkommunen, die seine Firma bereits betreut, nannte er Darmstadt, Kaiserslautern und Köln.

Nicht überzeugt

Die Skeptiker im Ausschuss überzeugte er mit seinen Beispielen dennoch nicht: Bernd Wennemuth (SPD) vermochte keinen Mehrwert für die Stadt durch „Smart City“ zu erkennen und machte sich Sorgen um den Datenschutz. Michael Bock (NBL) hätte lieber erst einen Vertrag gesehen und geprüft, bevor Geld für „Smart City“ freigegeben wird.

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