1- und 2-Cent-Stücke in der Kasse kosten und machen viel Mühe

Kampf dem Kleinstgeld: Heimische Händler sind geteilter Meinung über Idee aus Kleve

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Klein, aber lästig: Vor allem 1- und 2-Cent-Stücke machen vielen Händlern zu schaffen. Das Vorhalten von Kleinstgeld und das Einzahlen bei der Bank ist auch ein finanzieller Aufwand. Unser Bild zeigt Anna Maria Muhl von der City Apotheke in Bad Hersfeld mit Münzen. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Für Verdruss sorgt bei vielen Händlern das sogenannte Kleinstgeld. Im nordrhein-westfälischen Kleve hat man den 1- und 2-Cent-Münzen nun den Kampf angesagt. 50 Händler versuchen seit dem 1. Februar das Kleinstgeld aus den Kassen zu verbannen.

Unrunde Beträge werden, wenn die Kunden einverstanden sind, bei Barzahlungen auf- oder abgerundet. Grund für die Aktion sind der Arbeitsaufwand und die Kosten, die das Vorhalten und das Einzahlen der 1- und 2-Cent-Münzen bei der Bank verursachen.

Auch einige Händler im Landkreis Hersfeld-Rotenburg finden die Idee interessant. „Es wäre durchaus von Vorteil und eine Erleichterung, die 1- und 2-Cent-Münzen loszuwerden“, sagt etwa Ralf Pfetzing von Play & Bike und Haus & Co. in Heinebach, der die Kosten für das Kleingeld kritisiert und die Klever Aktion gut findet. „Nur mit 5 Cent wäre es einfacher.“ Unrunde Summen kämen bei fast allen Barzahlungen vor. Auch die Kunden wären sicher dankbar, meint Pfetzing.

Sinnvoll wäre es in diesem Sinne natürlich auch, die Artikel entsprechend auszuzeichnen, für eine Übergangszeit wäre das Auf- und Abrunden aber dennoch praktisch.

Vernünftig findet das Ganze auch Saskia Hildwein, die drei Apotheken in Bad Hersfeld betreibt. „Jede Rolle Kleingeld kostet richtig Geld“, sagt Hildwein. Gerade bei 1- und 2-Cent-Stücken mache das viel aus. In Apotheken sei so etwas allerdings kaum steuerbar, da es Preisbindungen gebe. Dort, wo es möglich sei, versuche man aber angesichts der Massen an Kleingeld auch jetzt schon, auf glatte Beträge zu bekommen.

Lästig findet zwar auch Klaus Leibrich von der Schwan-Apotheke in Bebra das viele Kleinstgeld, allerdings gebe es weitaus größere Probleme, auf die man sich konzentrieren müsse. Zudem stelle sich die Frage, ob es Schwierigkeiten mit dem Finanzamt geben könne.

Ähnlich wie den Apothekern geht es auch den Buchhändlern, denn für Bücher gibt es ebenfalls eine Preisbindung. „Ich würde mich so einer Aktion anschließen, wenn wir dürften“, sagt Jürgen Bode von der Hoehlschen Buchhandlung mit Filialen in Bad Hersfeld und Bebra. Denn gerade bei Büchern endeten viele Preise auf 9 Cent. Auch er bestätigt den Aufwand, den das viele Kleinstgeld verursache, auch in finanzieller Hinsicht. Nur in einzelnen Bereichen auf- oder abzurunden, etwa für Grußkarten, sei jedoch wenig sinnvoll.

Noch einen ganz anderen Aspekt führt Martin Knauff, Einzelhändler und Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Hessen-Nord, ins Feld: Mit der Abschaffung der kleinen Münzen sei möglicherweise auch die Abschaffung des Bargelds nicht mehr weit entfernt, und das könne als ein Stück Freiheit und im Sinne der Demokratie nicht im Interesse des Bürgers sein, mahnt der Bad Hersfelder.

Auf die Notwendigkeit des Kleingelds verweist man in der Pressestelle von Tegut mit mehreren Filialen im Landkreis. Auch habe man keine teure Abgabe von sehr vielen Münzen an die Banken. „Im Gegenteil, wir müssen unsere Filialen mit Münzen versorgen, um an Kunden Wechselgeld auszahlen zu können, da dies mehrheitlich erwartet wird“, berichtet Stella Kircher. Bei Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen hätte Tegut zwar Vorteile. „Diese stehen aber bei Abrunden des Bonbetrags auf die nächsten 5 Cent einer Gewinnschmälerung gegenüber. Im Lebensmitteleinzelhandel sind die Kunden sehr preissensibel, daher würde nur ein Abrunden zugunsten des Kunden in Frage kommen.“ Man plane derzeit jedenfalls nicht, die Münzen aus den Kassen zu verbannen. (nm)

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