Abendmusik für Cello und Orgel mit Delphine Henriet und Sebastian Bethge

Die mit dem Cello tanzt

Bad Hersfeld. Im Orchester ist das Violoncello klanglich meist ein eher unauffälliges Instrument – erst wenn es fehlt, nimmt man seine Klangfarbe bewusster wahr. Im Mittelpunkt des Geschehens stand das Cello jedoch in der Abendmusik in der Hospitalkapelle, das die Cellistin Delphine Henriet aus Stuttgart und der Bad Hersfelder Kantor Sebastian Bethge gemeinsam gestalteten.

Barock und Romantik

Mit Werken von Georg Friedrich Händel, Georg Muffat, Johann Sebastian Bach und Luigi Boccherini schlugen die beiden Interpreten einen Bogen zwischen Barock und Romantik, wobei Bachs vollständig gespielte Suite Nr. 2 d-moll für Violoncello als Soloinstrument den Angel- und Höhepunkt des Konzertes bildete. Henriets bewegliches, präzises und tänzerisch-leichtes Spiel kam in der besonderen Akustik der Hospitalkapelle besonders gut zur Geltung: Das Cello entfaltete einen warmen, dunklen und vor allem in der Bachsuite voluminösen Wohlklang. Den Zuhörern in der voll besetzten Hospitalkapelle wurde dabei nicht nur ein besonderer Ohrenschmaus geboten. Durch die Nähe zur Solistin in dem relativ kleinen Raum stand dem gespannt lauschenden Publikum auch Henriets eindrucksvolle technische Beherrschung des Instruments deutlich vor Augen. Doch nicht nur in den kraftvoll und energisch gespielten Tanzsätzen der Bachsuite wusste Delphine Henriets Spiel zu gefallen, sie zeigte, dass sie auch die zarten und luftigen Klangfarben perfekt beherrscht.

Solistisch brillierte in diesem Konzert nicht nur das Cello. Sebastian Bethge bewies, dass auch die Truhenorgel, die ohne Pedal auskommt, als Soloinstrument zu glänzen in der Lage ist. Den Mittelpunkt seines solistischen Spieles bildete ebenfalls ein Werk des großen Thomaskantors, nämlich Bachs Präludium und Fuge in b-moll aus dem zweiten Teil des „Wohltemperierten Klaviers“. Insbesondere in der technisch sehr anspruchsvollen, von ihm präzise und farbenreich interpretierten Fuge zeigte Bethge, dass er seiner Kammermusikpartnerin technisch und interpretatorisch ebenbürtig ist.

Wie farbenreich das Spektrum der von Bethge und Henriet zusammengestellten musikalischen Auswahl war, zeigte sich allerspätestens beim Schlussstück. Luigi Boccherinis Sonata Nr. 4 wirkte nach der vergleichsweise „erdigen“ Werken des Barock wie das sprichwörtliche locker-luftige und zarte italienische Dessert. Insbesondere der zarten und eher „kopfigen“ Spielweise Delphine Henriets war es dabei zu verdanken, dass zwar die italienisch-klassische Süße ausgezeichnet zur Geltung kam, dass aber andererseits jeder Anschein von Überzuckerung vermieden wurde.

Von Ute Janssen

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