HZ-Interview mit Philipp Kaufmann zum 29. Bad Hersfelder Live-Jazz-Festival

Buttonkauf bleibt freiwillig

Das Live-Jazz fest im Blick: Philipp Kaufmann, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins und Festival-Organisator, mit dem aktuellen Werbeplakat. Foto: Eisenberg

Bad Hersfeld. In knapp zwei Wochen groovt die Bad Hersfelder Innenstadt wieder. Vom 1. bis zum 3. Juni findet das 29. Bad Hersfelder Live-Jazz statt. Jan-Christoph Eisenberg sprach aus diesem Anlass mit dem Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, Philipp Kaufmann. Er ist zugleich Organisator des Festivals.

Was sind aus Ihrer Sicht in diesem Jahr die Höhepunkte beim Live-Jazz?

Kaufmann: Ich glaube, das gesamte Festival ist ein Höhepunkt, weil es einfach sehr unterschiedlich und breit gefächert ist. Da ist am Freitag die Eröffnung im Pier 1 mit der Nawlins Brassband. Es hat endlich in diesem Jahr gepasst und wir freuen uns auf ein tolles Wochenende mit unseren Freunden aus den Niederlanden. Der Samstag ist mit allen Stilrichtungen vollgepackt, sodass wieder für jeden Geschmack etwas dabei ist. Der Frühschoppen am Sonntag auf dem Linggplatz hat natürlich auch seine Liebhaber.

Wie schwierig ist es, in jedem Jahr etwas zu finden, das die Leute zu begeistert?

Kaufmann: Der Hersfelder will seinen „Jazz“, wie wir ihn bei Jürgen Harth jahrelang hatten. Der normale Besucher möchte sein Bier trinken, Freunde treffen und mit grooven, da möchte ich wieder hin. Wir haben jetzt mit dem künstlerischen Leiter Jan Luley eine ganz andere Qualität drin. An der hohen Qualität soll sich nichts ändern. Wir müssen einen Mittelweg finden. In diesem Jahr haben wir einen großen Schritt gemacht. Die künstlerische Leitung hat Jan Luley, ich gebe ihm weiter, was ich von Hersfeldern höre, aber in der Auswahl mische ich mich nicht ein.

Geht Jan Luley auf Künstlersuche, oder bringen sich die Musiker selbst ins Spiel?

Kaufmann: Es ist eine Mischung aus beidem: Jan Luley ist einer besten Jazz-Pianisten und somit viel in Deutschland unterwegs. In der Branche ist es üblich, dass man sich gegenseitig empfiehlt. Er bekommt von mir ein Budget vorgegeben, in dem er sich zurechtfinden muss - was zugegebener Maßen nicht immer einfach ist.

Das angedachte Eröffnungskonzert „Live-Jazz meets Festspiele“ in der Stiftsruine wurde abgesagt. Warum?

Kaufmann: Um es auf den Punkt zu bringen, es ist ein finanzieller Grund. Ich habe einen engen Kontakt zu Holk Freytag, die Idee ist bei der 1275-Jahre-Feier in der Stadthalle entstanden. So hat sich das ganze entwickelt und da haben wir ein bisschen schnell geschossen. Als wir dann die Zahlen zusammengeschrieben haben, ist deutlich geworden, dass das noch nicht geht. Wir wollen auch kein zusätzliches Risiko eingehen.

Ist das Projekt damit endgültig begraben?

Kaufmann: Nein, im Gegenteil. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen als Hersfelder zusammen wirken, auch was Marketing und Werbung angeht, da passiert schon einiges, da ist noch viel Luft nach oben, aber ich bin absolut positiv eingestellt, was das angeht.

Es gibt Kritik, dass in Bad Hersfeld jede Institution ihr eigenes Süppchen kocht.

Kaufmann: Das ist sicher nicht ganz unberechtigt. Man muss auch sehen, dass Hersfeld ein schwieriges Pflaster ist. Aber hier läuft es seit Anfang 2011 unter Bürgermeister Fehling wesentlich besser - sicher auch noch nicht optimal, aber das kommt mit der Zeit. Wenn ich an den Ideenwettbewerb von Stadtmarketing und Festspielen denke, oder die Zusammenarbeit bei der 1275-Jahrfeier, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wir haben in den letzten drei Jahren einiges gemeinsam angeschoben und viele gute Leute in den Entscheidungspositionen.

Im letzten Jahr ist der Button-Verkauf schleppend gelaufen. Wie wollen Sie den Anstecker-Absatz ankurbeln?

Kaufmann: Der Kauf ist auf freiwilliger Basis. Das ist immer die Grundidee gewesen und das bleibt auch so. Mittlerweile erhalten wir auch von unseren Sponsoren sehr gute Unterstützung. Allerdings ist es nach wie vor so, dass der Button-Verkauf die finanzielle Basis des Live Jazz ist. Über Jugendgruppen und Vereine werden wir in diesem Jahr mehr Button-Verkäufer haben. Jugendliche, die noch Lust und Zeit haben und sich ein kleines Taschengeld verdienen möchten, können sich am Samstag ab 11 Uhr an der Bühne auf dem Linggplatz gerne melden.

Live-Jazz ist ein Höhepunkt, die Fußball-Europameisterschaft ein anderer. Dürfen wir uns auf Public Viewing freuen?

Kaufmann: Vom Stadtmarketing aus finanziellen Gründen in diesem Jahr leider nicht. Ich weiß aber, dass an verschiedenen Plätzen von Gastronomen etwas angeboten wird. Da lohnt es sich auf jeden Fall hinzugehen, ich freue mich auf diese Zeit und viel gute Stimmung bei den Spielen.

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