Das Großaufgebot von Stars wird beim Probenbeginn von einem noch größeren Aufgebot an Journalisten beobachtet

Ein Bussi hier, ein Schwätzchen da

Medienrummel zum Probenauftakt: Zig Journalisten kamen am Montag in die Stadthalle Bad Hersfeld. Schauspieler Mathieu Carrière (rechts) wurde gleich von mehreren Kamerateams und Fotografen belagert. Fotos: Janz

Bad Hersfeld. Alles neu macht der Wedel: Wurde der Probenbeginn der Festspiele in der Vergangenheit von ein paar lokalen Journalisten besucht, herrscht unter dem neuen Intendant der ganz große Medienrummel. Ein halbes Dutzend Kamerateams, Mikrofonträger, Printjournalisten und Fotografen en gros drängen sich im Foyer der Stadthalle.

Sie alle wollen Aufnahmen von den Stars aus Film und Fernsehen machen, die sich in Wedels Inszenierung der „Komödie der Irrungen“ die Ehre geben. Da setzt auch Cosma Shiva Hagen die Sonnenbrille ab, die sie noch konsequenter trägt als Wedel. Dabei gelten die dunklen Gläser sogar als sein Markenzeichen.

Inmitten der wuseligen Menge versucht ein Hund die Ruhe zu bewahren. Die kleine Tschula findet immer wieder die Beine ihres Herrchens Heinz Hoenig. Als er die Hündin, die er auf Mallorca auf dem Müll gefunden hat, auf den Arm nimmt, haben die Fotografen endlich das ersehnte außergewöhnliche Motiv. Stars und Hunde gehen immer. Und Sonja Kirchberger setzt in ihrer bunten Blumen-Trainingsjacke auch noch einen Farbtupfer. „Oh, ist das niedlich“, entfährt es einer Journalistin.

Wie ein Sack Flöhe

Derweil haben der künstlerische Leiter Joern Hinkel und Pressesprecherin Monika Liegmann alle Hände voll zu tun, Schauspieler und Journalisten zu dirigieren. Wie ein Sack Flöhe laufen die Schauspieler umher, Bussi hier, Schwätzchen da, ehe Hinkel und Liegmann sie zusammentreiben. „Ich glaube, ich verliere hier drei Kilo“, sagt Liegmann, als die Bilder im Kasten sind und sich die Schauspieler zur Leseprobe setzen.

Da echauffiert sich Mathieu Carrière erst einmal künstlich: „Ich muss protestieren. Du kannst Alkoholikern nicht vor 12 Uhr Bier auf den Tisch stellen.“ Er grinst und kaut weiter seinen Kaugummi, den er auch für die Probe nicht rausnimmt. Der überzeugenden Darbietung tut das aber keinen Abbruch.

Anekdoten und Weisheiten

Dieter Wedel gibt erst einmal ein paar Anekdoten und Weisheiten zum Besten, die man von ihm schon kennt: „Wir müssen das Publikum gut unterhalten, was nicht heißt, es zu zerstreuen“ – „Ein Stück, das durchweg komisch ist, ist langweilig.“

Wie gewohnt, kommt Wedel vom Hölzchen aufs Stöckchen. Und doch nähert er sich langsam auch dem eigentlichen Stück, das nun erstmals geprobt wird. Auf einmal wird es ruhig an dem Tischkarree, an dem so viele bekannte Schauspieler sitzen, umringt von Dutzenden Journalisten. Während Wedel seine Ideen zur Inszenierung erläutert, hört man irgendwann nur noch die Auslöser der Kameras klicken. Alle anderen sind ruhig.

„Sollen wir dann mal anfangen?“, sagt Wedel und bricht die erwartungsvolle Stille mit einem verzweifelten Blick zur Pressesprecherin: „Moni, haben Sie meine Brille?“ Während alle lachen, hebt Tschula kurz den Kopf. Heinz Hoenig ist noch in der Nähe. Dann geht die Probe richtig los.

Von Marcus Janz

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