Pilotprojekt mit blühenden Pflanzen zur Biomasseerzeugung startete in Braach

Buntes für Bienen und Gas

Bunt statt monotones Grün: Auf dem Versuchsfeld bei Braach wachsen mehrjährige und einjährige Pflanzen. Umweltberater Heinrich Wacker zeigt eine Auswahl. Hinten von links Bürgermeister Manfred Fehr, Lothar Wehner, stellvertretender Vorsitzender des hessischen Imkerverbandes, Klaus Reinhardt, Leiter der landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsanstalt Eichhof, und Bebras Bürgermeister Horst Groß. Foto: sis

Braach. Sonnenblumen, Malven und viele andere Blühpflanzen durchbrechen das monotone Grün des Maisanbaus im Fuldatal bei Braach. Auf einem Acker hat der Leiter der Lehr- und Versuchsanstalt Eichhof, Klaus Reinhardt, im Mai eine entsprechende Samenmischung aufgestreut. Geerntet wird der Pflanzensegen im Spätsommer. Er soll als Biomasse die Biogasanlage in Heinebach speisen.

Bis es soweit ist, haben Mensch, Tier und Boden schon viele Vorteile von dem Pilotprojekt gehabt, macht Reinhardt deutlich: Die Blühpflanzen aus heimischen Saatgutschützen zum Beispiel den Boden vor Erosion – ganz anders als Mais.

Fürs Auge bietet das Feld ohnehin mehr. Es ist aber auch Heimat für eine Vielzahl von Tieren wie Wachtel, Rebhuhn und neuerdings Brachvögel geworden. Und – das freut die Imker, die bei dem Versuch ebenfalls im Boot sind – das Feld bietet abwechslungsreiche Nahrung für Bienen bis in den frühen Herbst hinein, macht Bienenvölker widerstandsfähig für die bevorstehende kalte Jahreszeit, erklärte Imker Marco Lieck-Deichmann.

Gerade die Imker hätten ein Interesse daran, die Landwirte für das Versuchsprojekt zu begeistern, erklärte Lothar Wehner, stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Imkerverbandes. Es gebe bereits attraktive Förderprogramme für Landwirte, die Blühpflanzen aussäten.

Ehrgeiziges Ziel

Der Pilotversuch wird von den Kommunen Bebra, Rotenburg und Alheim unterstützt. Die haben sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2015 80 Prozent des privaten Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Biogas gehört dazu. „Wenn der Versuch funktioniert, könnte man über weitere Biogasanlagen reden“, erklärte Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr.

Fest steht, das räumt Klaus Reinhardt ein, Mais ist im Ertrag und in der Verarbeitung zu Biogas noch unschlagbar. Aus optischen und ökologischen Gründen könnten Landwirte jedoch auch einzelne Äcker mit blühenden Pflanzen belegen.

Die Bauern müssten dann allerdings für den geringeren Ertrag einen finanziellen Ausgleich bekommen. Die durch den Wechsel entstehende Bodenverbesserung bei geänderter Fruchtfolge wäre wiederum gratis.

Der Blühpflanzensamen für einen Hektar kostet etwa 300 Euro, der für Mais etwa 170. Die Blühpflanzen bleiben allerdings über mehrere Jahre im Boden.

Geerntet werden sie mit der selben Maschine, die auch bei der Maisernte eingesetzt wird.

Von Silke Schäfer-Marg

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