HZ-Interview: Kabarettist Uwe Lyko gibt den Ruhrpott-Rentner Herbert Knebel

Bundes-Wulfi bringt’s nicht

Der Ruhrpott-Rentner kommt: Kabarettist Herbert Knebel alias Uwe Lyko präsentiert am Dienstag, 9. November, sein Solo-Programm in der Bad Hersfelder Stadthalle. Foto: pr

Bad Hersfeld. Sex im Alter, Knatsch im Treppenhaus, Rambazamba beim Seniorentanz – Herbert Knebel alias Uwe Lyko kommt mit seinem Solo-Programm „Ich glaub’, ich geh’ kaputt“ am Dienstag, 9. November, nach Bad Hersfeld. Ab 20 Uhr steht er auf der Bühne der Stadthalle. Wir haben mit ihm über seine Show und anderes mehr gesprochen.

Wissen Sie eigentlich, dass Sie am 9. November in Bad Hersfeld sind? In Ihrem Tourenplan ist der Spielort gar nicht aufgeführt.

Uwe Lyko: Aha, das ist ja ein Ding. Das muss ich meiner Agentin sagen.

Finden Sie denn dann eigentlich den Weg nach Bad Hersfeld?

Lyko: Auch der Knebel hat mittlerweile ein Navigationsgerät.

Für die, die Sie nicht kennen, wie würden Sie den Knebel beschreiben?

Lyko: Ja, der Knebel ist einer, der eine unglaublich große Klappe hat, der sich die Theorien über die Welt immer so zusammenbaut, wie sie ihm gerade in den Kram passen. Trotz allem hat er aber ein gutes Herz. Und ja, mit der Technik, die der Alltag so bereitstellt, steht er im Prinzip immer auf Kriegsfuß.

Was erwartet die Zuschauer in der Stadthalle?

Lyko: Ja, viele Knebel-Geschichten. Auch ein bisschen Musik, denn der Knebel hat seinen Kumpel aus dem Affentheater dabei, den Ozzy Ostermann, den Gitarristen. Ja, also nicht Ossi, sondern Ozzy. Uns wird in der Presse nämlich immer vorgeworfen, wir würden uns über unsere Brüder und Schwestern in der ehemaligen DDR lustig machen. Also Ozzy in Anlehnung an Ozzy Osborne. Das könnte sonst in Bad Hersfeld auch missverstanden werden. Das liegt ja ziemlich dicht an der einstigen Grenze.

Glauben Sie, dass die Gags des Ruhrpott-Rentners hier in Osthessen, nahe der Grenze, ankommen werden?

Lyko: Ja, dat weiß ich, weil ich ja nicht nur im Ruhrgebiet auftrete. Der Knebelsche Humor ist durchaus kompatibel, und es gibt viele, viele junge Leute, die darüber lachen können. Die Knebel-Nummern haben aber keine klassische Pointe. Der Witz entwickelt sich aus den Geschichten und den Unzulänglichkeiten dieser Figur heraus. Da braucht man schon eine gewisse Lebenserfahrung, um das überhaupt als Witz verstehen zu können.

Was halten die Zuschauer in Bad Hersfeld wohl davon, dass der alte Mann ein ehemaliger Punk-Rocker ist?

Lyko: Ach, ich glaube, genauso wie vorher auch. Es ist doch nicht jeder ein Spießer, der mit der Schrotflinte hinter der Gardine steht und alles ummähen will, was anders ist. Punk-Rock ist sowieso etwas übertrieben. Das war eine Rock ‘n’ Roll-Band, die damals Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger einfach alles etwas schneller gespielt hat. Das klang dann punkig. Wir haben damals auch einmal in Bad Hersfeld im Jugendzentrum gespielt.

Jetzt noch einmal zurück zum Punk. Wo geht Ihrer Meinung nach beim Fußball im Ruhrpott der Punk mehr ab. Bei Schalke 04 oder bei Borussia Dortmund?

Lyko: Für mich, da mache ich auch gar keinen Hehl draus, für mich beim BVB.

Und dann trauen Sie sich nach der peinlichen Pokalniederlage der Dortmunder bei Kickers Offenbach noch nach Hessen?

Lyko: Ach, Offenbach ist doch von Bad Hersfeld Ewigkeiten entfernt.

Zum Schluss was ganz anderes. Was wird eigentlich aus den Figuren Loki und Smoky, jetzt wo Loki Schmidt gestorben ist?

Lyko: Ja, Loki ist tot, und somit ist leider auch die Rubrik tot. Es war schon immer ein Agreement zwischen Wilfried Schmickler und mir, wenn einer der beiden Schmidts einmal sterben sollte, dann ist leider auch diese Rubrik gestorben. Ja, dem ist jetzt so.

Haben Sie schon etwas Neues in Arbeit?

Lyko: Ja, die Überlegungen gehen schon in die Richtung, den WDR-Mitternachtsspitzen eine neue Rubrik zu geben. Aber klugerweise machen wir jetzt erst einmal ein paar Sendungen Pause. Alles Neue würde sofort an Loki und Smoky gemessen. Solche Sachen kann man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Das mit Loki und Smoky war eine glückliche Fügung, die aus einer Laune heraus entstanden ist. Da passte alles zusammen. Dieses Pärchen hat ja auch ein unendliches Gag-Potenzial abgeliefert. Er mit seinen ausufernden Alltagsreferaten und dann dieser Running-Gag mit dem Rauchen. Wir haben schon überlegt, ob wir jetzt vielleicht die Guttenbergs nehmen oder den Bundes-Wulfi mit seiner Frau, aber dat gibt beides nicht so viel her.

Von Mario Reymond

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