Von Bürgermeistern und denen, die es werden wollen

Kai A. Struthoff

Der Hüne bleibt Häuptling in Kirchheim. Mit eindrucksvollen 75,9 Prozent verteidigte Manfred Koch gestern seinen Sessel im Rathaus. Ein tolles Ergebnis! – für eine dritte Amtszeit zumal. Denn vor sechs Jahren hatte er „nur“ 55,2 Prozent gegen seinen CDU-Herausforderer errungen. Koch kann sich in seiner Amtsführung bestätigt fühlen. Trotzdem war ihm gestern die Erleichterung anzusehen.

Denn auch Karin Abel hatte einen engagierten Wahlkampf geführt. Und so gebührt auch ihr Respekt für ihre Kandidatur, auch wenn sie sich selbst sicher ein besseres Ergebnis erhofft hätte. Doch immerhin hat sie dafür gesorgt, dass die Kirchheimer wirklich die Wahl hatten. Vielleicht arbeiten die beiden jetzt ja sogar zusammen, um Kirchheim noch liebens- und lebenswerter zu machen.

In Bad Hersfeld indes beginnt jetzt erst das Gerangel um den Chefsessel im Rathaus. In der vergangenen Woche präsentierte die SPD mit Gunter Müller ihren Überraschungskandidaten. Wer bis zuletzt auf Stadtrat Lothar Seitz gehofft hatte, wurde enttäuscht. Die Sozialdemokraten bauen auf einen „dauerhafteren“ Kandidaten, denn der kluge Professor Seitz ist ja selbst auch nicht mehr der Jüngste. Müller hingegen wird erst 50 Jahre alt und könnte rein rechnerisch eine ganze Weile regieren. Dazu müsste er freilich erst mal gewählt werden.

Theoretisch hat der Anwalt aus Leipzig mit hessischen Wurzeln dazu sicher das Zeug. Und doch gibt es wohl einige in der Stadt, die sich nicht so gern von einem importierten „Dahergeloffenen“ regieren lassen wollen. Na ja, ich als Bremer aus Berlin denke mir dazu so meinen Teil. Mal sehen, ob nach Thomas Fehling denn wohl noch ein „Herschfeller Jung“ aus der Deckung kommt.

Derweil rumoren auch andere heftig im Hintergrund. Schon bald werden wir von weiteren Kandidaten hören. „Wahl kommt von Auswahl“ hatte in Kirchheim Karin Abel betont.

Wir freuen uns auch hier auf den Wettstreit der Ideen! Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, können sich schon mal den 28. Oktober vormerken. Dann werden wir von der HZ die Kandidaten in der Stadthalle auf unseren Wahl-Prüfstand stellen.

Einer der weiß, was es heißt Bürgermeister zu sein, ist Karl-Heinz Vestweber, der langgediente Rathaus-Chef von Oberaula. Am Freitag wurde er in den verdienten Ruhestand verabschiedet, und alle waren zur Verabschiedung gekommen. Vestweber war sichtlich gerührt, doch Lob und Ehre hatte er sich redlich verdient. Eine gefühlte Ewigkeit dauerte allein die Aufzählung all der Aufgaben des Bürgermeisters durch Parlamtenschef Dieter Groß.

Dabei wurde klar: Es braucht vielleicht keinen Hünen wie Koch, um Bürgermeister zu sein – aber eine Herkules-Aufgabe ist so ein Amt allemal!

struthoff@hersfelder-zeitung.de

Kommentare