Der Bürgermeister als Zauberlehrling

Karl Schönholtz

Sowas kommt von sowas. Da hatte sich Bad Hersfelds mitterweile auch nicht mehr ganz neuer Bürgermeister Thomas Fehling auf die Fahne geschrieben, die Bürger der Stadt bei wesentlichen Entscheidungen und Prozessen „mitzunehmen“, anstatt sie wie sein Vorgänger in den allermeisten Fällen vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Deswegen klang auch die Idee vom bürgerschaftlichen Engagement beim literarischen Gemeinschaftserlebnis „Bad Hersfeld liest ein Buch“ zunächst ganz prima. Nicht nur beim Aussuchen eines gegeigneten Titels durften die Hersfelder helfen, sondern sollten auch mit eigenen Ideen und Veranstaltungen zum Gelingen des Programms beitragen. Das aber ging nun gründlich schief. Denn mit demjenigen, der gleich eine ganze Reihe von Attraktionen – darunter eine Zuse-Ausstellung und einen Koch-Wettbewerb – beisteuern wollte, haben sich die städtischen Organisatoren jetzt dermaßen entzweit, dass der Bürgermeister öffentlich sogar über rechtliche Schritte sinnierte. Die ganze Sache habe sich in diesem konkreten Fall verselbständigt, bekannte Fehling und erinnerte dabei an Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, am Ende nicht mehr los wurde....

Zaubern möchte Thomas Fehling vielleicht auch können, wenn es um den Haushalt 2013 geht. Denn im Verwaltungsteil klafft ein millionengroßes Loch, das bis zur Einbringung des Etats am 15. November noch gestopft werden will. Weil auch das Zaubern eher die Sache des vorigen Bürgermeisters war, versucht Fehling die Gremien aufs Sparen einzustimmen. Bisher stieß er dabei aber auf ziemlich taube Ohren. Zwar wird in der Stadt jetzt erst einmal der „Lollsfrieden“ ausgerufen, doch dem wird wohl ein ziemlich heißer Herbst folgen.

Apropos sparen: Darum ging es im Kern ja auch bei den Meinungsverschiedenheiten zwischen Fehling und Festspiel-Intendant Holk Freytag. Denn wenn die Kosten steigen, der Etat aber nicht erhöht wird, lässt sich mit dem vorhandenen Geld halt unter dem Strich nun einmal weniger erreichen als bisher. Die Auseinandersetzung darüber sorgte bei beiden Herren für eine zwischenzeitliche Verstimmung und eine „Warteschleife“ bis zur Bekanntgabe des neuen Spielplans, der am Ende laut Freytag „passend gemacht“ wurde – und immer noch große Erwartungen auf großes Theater in der Stiftsruine wecken sollte. Und wenn der Bürgermeister bis dahin doch noch das Zaubern lernt, dann wird das Wetter im Sommer 2013 so gut, dass die Kalkulation mit den drei Millionen Euro Einnahmen durch den Kartenverkauf diesmal aufgeht.

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