Dem Winterdienst fehlen zwei Fahrer – Erst die Busstrecken, dann die Innenstadt

Bürger greifen zur Schippe

Die schippende Bürgerinitiative in der Klausstraße. Zwei Schneepflugumläufe, einer abends um 20 Uhr, der andere morgens um 4 Uhr brachten hier sichtbaren Erfolg. Foto: Hornickel

Bad Hersfeld. Stehende Ovationen und aufmunternde Zurufe von Passanten ernteten gestern Morgen die Geschäftsleute des Bad Hersfelder Stadtmarketing-Vereins, die demonstrativ selbst zu Schaufel und Schneeschieber griffen, um die Einkaufsmeile zu räumen.

„Es wurde aber auch Zeit, dass die Sauerei aufhört“, rief ein Mann den Mitgliedern der privaten Räumkolonne zu, die durch die Klausstraße zur dick vereisten Badestube marschierten und unterwegs Schneehaufen aus der Straßenmitte schoben.

Gemeinsam mit Einsatzleiter Dieter Stanzel von der Reinigungs- und Entsorgungsfirma Fehr hatte sich der Vorstand darauf geeinigt, dass der Direktzugriff auf den öffentlichen Verkehrsweg unter dem Titel „Wir helfen der Stadt Bad Hersfeld beim Winterdienst“ stehen sollte. Weil die Beschwerden über die ständige Rutschpartie durch den Matsch kein Ende nahmen, hatten Geschäftsführer Philipp Kaufmann vom Stadtmarketingverein und die Firma Fehr am Mittwochabend und am frühen Donnerstag außerplanmäßig Räumfahrzeuge ausgeschickt. Kaufmanns Diagnose des städtischen Winterdienstes. „Solange sich niemand beschwert, tut sich nichts.“

Im Bad Hersfelder Rathaus wertete gestern Horst Gerlich, der persönliche Referent des Bürgermeisters, die Aktion als „positiv“. Die Stadt Bad Hersfeld sehe sich außer Stande, auch noch tagsüber außerplanmäßig einen Schneepflug über die Straßen der Innenstadt zu schicken.

Die Buslinien sowie die Fußgängerüberwege hätten beim Winterdienst Vorrang.

Zu den gewöhnlichen Ladenöffnungszeiten sei es unverantwortbar, die Passanten mit dem Schneepflug von der Straße zu scheuchen. Gerlich wies darauf hin, dass die Geschäftsleute verpflichtet seien, vor ihren Läden den Kunden und Passanten eine 1,50 Meter breite Gasse zu bahnen. Wer das nicht selbst kann, bedient sich der Dienste der Firma Fehr. Dafür gibt es Verträge mit einigen Privatleuten. Allerdings, so Einsatzleiter Dieter Stanzel, bezögen sich die Aufträge nur auf gezielte Bereiche.

Wer muss was räumen?

Die leidige Frage, ob dazu auch das Matsch-Schieben im Auftrag der Stadt in der Straßenmitte gehöre, konnten weder Horst Gerlich aus dem Rathaus noch Fehr-Einsatzleiter Dieter Stanzel verbindlich beantworten. Stanzel gab zu, dass seine Firma fast kein Salz mehr habe und auf 75 Tonnen warte. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, dass angesichts der milden Temperaturen der nächsten Tage die Stadt vom Matsch befreit sein wird. Wenn man tagsüber gut schiebe, brauche man abends und morgens weniger zu streuen. Die Stadt Bad Hersfeld jedenfalls kann nicht zur Tat schreiten, um die angetaute Winterpracht aufladen und abtransportieren zu lassen.

Zwei Winterdienstfahrer hätten sich krank gemeldet, bedauerte Horst Gerlich. Deren Arbeit müssten die Kollegen mitmachen. Die verbliebenen Fahrer, die in aller Herrgottsfrühe anfangen, seien jedoch nicht unbegrenzt belastbar und müssten Lenkzeiten einhalten.

„Es kann nicht sein, dass am verkaufsoffenen Samstag im Februar 10 0000 bis 20 000 Menschen von auswärts in die Stadt kommen, und es ist nicht geräumt“, klagte Unternehmer Martin Knauff. In Kassel und Fulda seien die Innenstädte schon jetzt ungehindert begehbar.

Von Kurt Hornickel

Kommentare