Aufwendige Kampfszenen für Statisten der Festspiele – Einsatz in mehreren Stücken

Bühne frei für ein Gefecht

Mit Sense, Stock, Dreschflegel und Mistgabel: Kristof Eidam, Lorenz Starkloff, Hamid Balutsch und Moritz Schwarz (von links) machen Jonas Minthe in seiner Rolle als D‘ Artagnan im Festspielstück „Die drei Musketiere“ ganz schön zu schaffen. Fotos: Spanel

Bad Hersfeld. Auf der Wiese hinter der Stiftsruine kreuzen sich die Klingen. Dreschflegel wirbeln durch die Luft, Sensen werden geschwungen, und hin und wieder ertönt ein theatralischer Schmerzensschrei. „Danke, das reicht“, ertönt es plötzlich, als sich zwei Männer zu Boden fallen lassen. „Nächste Szene“.

Klaus Figge, einer der bekanntesten Theater-Fechtmeister Deutschlands, hat an der Ruinenmauer Position bezogen. Neben den Festspielern bereitet er auch die Statisten der „Drei Musketiere“ auf die spektakulären Bühnenkämpfe vor. Während der laufenden Spielsaison treffen sich die Laiendarsteller vor jeder Vorstellung zum Einfechten vor der Ruine. Gekämpft wird mit spitzen Waffen: Es gibt keine Improvisation, alles ist bis ins kleinste Detail einstudiert.

„Etwas Spannenderes als die Fechtszenen habe ich in 14 Jahren als Statist auf der Festspielbühne nie spielen dürfen“, sagt Michael Maiwald. Genauso wie seine fünf „Gardisten“-Kollegen hatte er vor Probenbeginn noch nie einen Degen in der Hand. „Im Stück sind wir soetwas wie ein Running Gag“, erklärt Maiwald, der als Mathelehrer arbeitet, wenn er nicht gerade Degengefechte austrägt. „Wenn wir auftauchen, bekommen wir von den Musketieren ganz schön eins auf die Mütze.“

Auch Moritz Schwarz, Lorenz Starkloff, Kristof Eidam, Jan Hofmann und Hamid Balutsch stehen als Statisten auf der Bühne. Für das Fechten mit dem Degen sind die Abiturienten der Modellschule Obersberg noch zu jung. „Als Bauernjungs haben wir aber gleich zu Anfang eine Kampfszene mit Stöcken und Sensen“, sagt Kristof Eidam.

Anstrengender Probenalltag

Damit jeder Hieb sitzt, haben alle Statisten monatelang drei Stunden täglich geprobt – neben ihrem Arbeitsalltag und mit zusätzlichen Trainingseinheiten an den Wochenenden. „Aber auf der Bühne zu stehen und das Festspielflair hautnah mitzuerleben – das ist etwas ganz Besonderes“, erklärt Hamid Balutsch den Reiz des Statistenjobs. Zwar gibt es eine Aufwandsentschädigung, aber die meisten Komparsen seien Idealisten.

In „Der Name der Rose“ werden die Statisten als Mönche eingesetzt. Dazu sind die Komparsen des Hersfelder Chorvereins unter der Leitung von Helgo Hahn ein fester Bestandteil des Festspiel-Ensembles. Hier singen die Hobby-Schauspieler nicht nur, sondern haben auch kleinere Sprechrollen.

„Zusätzlich spielen Statisten auch Nonnen, Lakaien und das Volk“, sagt Hans-Jürgen Dietz, dem die Organisation der Komparserie obliegt. Die Zusammenarbeit laufe hervorragend. „Wer einmal als Festspiel-Statist dabei war, kommt immer wieder.“

Von Emily Spanel

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