Händler Jürgen Bode verkauft jetzt auch E-Book-Reader, ist aber skeptisch

Das Buch ist nicht tot

Herunterladen statt stöbern: Buchhändler Jürgen Bode fürchtet, dass seine Umsätze leiden, wenn immer mehr seiner Kunden auf E-Books umsteigen. Foto: Habich

Bad Hersfeld. Als Jürgen Bode zum ersten Mal einen E-Book-Reader sah, fand er ihn grauenvoll. Er sagt immer noch: „Ein Buch will ich lieber in der Hand haben als auf dem Bildschirm.“ Trotzdem wird Bode, Inhaber der Hoehlschen Buchhandlung in Bad Hersfeld, in Zukunft dort einen Reader verkaufen: Ein Lesegerät, mit dem man Buchtitel aus dem Internet herunterladen und dann am Bildschirm lesen kann.

Als Bode die diesjährige die Buchmesse in Frankfurt besuchte, war die neue Technik dort überall präsent. Also schloss er einen Vertrag mit einem Händler ab, um für die Nachfrage von Kunden gewappnet zu sein. Jetzt bietet er ein Lesegerät an, das sich über das Internet mit dem Online-Shop seiner Buchhandlung verbindet. E-Books gibt es dort schon seit einem Jahr zum Herunterladen.

Auch weitere Lesegeräte lassen sich über die Seite bestellen, sie kosten zwischen 179 und 229 Euro. Die E-Books selbst liegen meist etwas unter dem Taschenbuchpreis.

Umsatz in Gefahr

Auch wenn er jetzt mitzieht – Jürgen Bode macht sich Sorgen, genauso wie viele Kollegen. Denn mit E-Books lässt sich weniger Geld verdienen als mit echten Büchern. Insbesondere kleine Buchhandlungen müssten Umsatzeinbußen fürchten, wenn der Trend sich durchsetze, glaubt Bode. Zwischenhändler profitierten schon eher von der Technik, genau wie große Buchhandelsketten. Sie könnten im größeren Stil investieren und bekämen von E-Book-Händlern bessere Konditionen angeboten, erzählt Bode.

Selbst wenn die Leser sich einen der bislang etwa hundert Titel herunterladen, die er im Internet anbietet, ist das aus Bodes Sicht ein Problem:„Die Leute kommen dafür nicht mehr in den Laden“, sagt der Buchhändler. Anstatt dort zu stöbern, tun sie das im Internet.

Er zählt Gründe auf, aus denen Buchliebhaber die Originale aus Papier weiterhin vorziehen: das Gefühl, richtig zu blättern oder besonders schöne Stellen anstreichen zu können. Doch selbst Bode gibt zu, von der neuen Generation der Reader fasziniert zu sein. Vor einem Jahr hatte er schon einmal für kurze Zeit ein einfaches Lesegerät im Angebot, doch die Nachfrage war gering. Seitdem habe sich einiges geändert: Die Geräte sind leichter geworden, durch neue Bildschirme wird das Lesen angenehmer.

Dem Buch immer ähnlicher

Es gibt Funktionen, die die Reader immer buchähnlicher machen sollen: digitales Seitenrascheln oder ein Einband aus Leder. Bode glaubt, dass sich deshalb in Zukunft mehr Leute für die Lesegeräte begeistern werden. Ganz ohne Optimismus für die Zukunft ist er trotzdem nicht: „Auch wenn die Umsätze zurückgehen, das Buch wird nicht sterben“.

Von Irene Habich

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