Freiheitsstrafen nach Schlägerei in Rotenburg

„Brutale Tat ohne jeden Grund“

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Rotenburg/Bad Hersfeld. Zu Freiheitsstrafen von drei Jahren und sechs Monaten sowie zwei Jahren und sechs Monaten sind die beiden Angeklagten verurteilt worden, die sich seit Mittwoch vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung verantworten mussten (wir berichteten).

Die beiden 25 und 27 Jahre alten Syrer aus Bebra waren am 9. September 2012 in der Gaststätte „Broadway“ in Rotenburg auf ein Pärchen aus Dietzenbach getroffen, das zum Angeln in der Fuldastadt weilte. Als das Pärchen das Lokal gegen 4.30 Uhr verließ, gingen die jungen Männer hinterher und bepöbelten die Dietzenbacher laut Zeugenaussagen, bevor es schließlich zu einer heftigen Schlägerei kam, in deren Verlauf die Syrer den am Boden liegenden Mann mehrfach geschlagen und getreten haben sollen, sodass dieser unter anderem Augenhöhlenbrüche, einen Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung erlitt.

Schwer verletzt wurde aber auch der ältere der beiden Angeklagten. Er trug mehrere Stich- und Schnittwunden davon, die ihm das Opfer am Boden liegend zugefügt haben soll, was Gericht und Staatsanwaltschaft als Notwehr interpretierten.

Richter Michael Krusche folgte mit seinem Urteil dem Antrag des Staatsanwalts, der zuvor von einer „schicksalhaften Begegnung“ gesprochen hatte. Für ihn hatten die beiden Syrer die Auseinandersetzung „ins Rollen gebracht“, wobei der 27-Jährige sich habe mitreißen lassen, während er den 25-Jährigen als „notorischen Schläger“ mit „kilometerlanger Akte“ bezeichnete. Unter anderem wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Körperverletzung und Urkundenfälschung ist er in der Vergangenheit mit dem Gesetz in Konflikt geraten, bis Januar 2012 verbüßte er eine Haftstrafe. Für ihn fiel die Strafe deshalb auch höher aus.

Als äußerst brutale und verabscheuungswürdige Tat ohne jeden Grund bezeichnete Richter Krusche das Geschehen. Den Ausführungen der Verteidiger, die von einer wechselseitigen Prügelei mit „überschrittener Notwehr“ seitens ihrer Mandanten sprachen, glaubte er nicht.

Die Angeklagten nahmen das Urteil ruhig, aber zumindest im Fall des 27-Jährigen mit Tränen in den Augen auf. Einer ihrer Kumpels im Zuschauerraum ließ sich allerdings zu einem kurzen „Applaus“ hinreißen ließ.

Gegen das Urteil kann die Verteidigung Revision oder Berufung einlegen. (nm)

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