1100 Tonnen Stahl: Am Osterwochenende soll die neue Fulda-Querung eingepasst werden

Brücken rücken in Bebra

Job mit Aussicht: Dieser Arbeiter der Firma Max Bögl überprüft auf einer Hebebühne die Stahlkonstruktion der neuen Eisenbahnbrücke. Insgesamt hat das Bauunternehmen aus der Oberpfalz 50 Männer auf der Baustelle in Bebra im Einsatz. Fotos: Kai A. Struthoff

Blankenheim. Noch ruht der Stahlkoloss in der Flussaue. 1100 Tonnen Metall, 72 Meter lang, dahingegossen am Ufer der Fulda. Doch bald ist es mit der Ruhe vorbei. Am kommenden Mittwoch ist in Bebras beschaulichem Stadtteil Blankenheim Brücken rücken angesagt. Dann wird die neue Eisenbahnbrücke um etwa 70 Meter in Richtung Fulda verschoben. Am Osterwochenende soll die Stahlkonstruktion dann komplett eingebaut werden.

Maßarbeit mit Schmierseife

„Die Brücke liegt auf Gleitlagern und wird von zwei Litzenhebern langsam über die Fulda geschoben“, erläutert Stephan Lüttger, Projektleiter bei der Baufirma Max Bögl. Maßarbeit. Schmierseife sorgt dafür, dass es auch richtig flutscht. Ein oft erprobtes Verfahren, erklärt der Diplom-Ingenieur.

Bebras Bürgermeister Horst Groß hört genau zu. Für ihn ist die „Alte“ nämlich keine Unbekannte. „In meiner Zeit beim Bundesgrenzschutz bin ich viele tausend Mal über diese Einbahnbrücke gefahren“, erzählt Groß, während er sich auf der Baustelle über die Arbeiten informiert. Auf der nahen Bahntrasse donnern unentwegt Züge vorbei. Ein gelber Kran ragt in den blitzeblauen Himmel und schwenkt Lasten über den Köpfen der Baustellen-Besucher.

Rund 50 Arbeiter der Baufirma Max Bögl aus dem oberpfälzischen Neumarkt sind seit gut einem Jahr mit den Vorbereitungen beschäftigt. „Der Stahlbau hat nach dem Winterhochwasser begonnen“, berichtet Lüttger. 10 bis 12 Stunden am Tag waren die Männer im Einsatz. Jetzt naht der Höhepunkt.

„Das ganze Projekt kostest rund acht Millionen Euro“, erläutert Carsten Rohmann, der beim Auftraggeber, der Deutschen Bahn AG, für das Projekt verantwortlich ist. Die alte Brücke, die noch aus der Nachkriegszeit stammt, musste ersetzt werden. Die Arbeiten sind Teil der Gesamterneuerung der Strecke zwischen Fulda und Kassel. Zuvor wurden bereits Hilfsbrücken eingebaut, Kabeltrassen gebaut und verlegt – ein Mammutprojekt mit Tragweite.

Denn die Brücke muss einiges aushalten. „Vier Achsen, das sind 100 Tonnen, dazu nochmal acht Tonnen für jeden Meter Zug – das entspricht einer Verkehrslast von 1200 Tonnen“, rechnet Manfred Hanf, der zuständige Statiker flugs vor. Dazu kommen das Eigengewicht von 1 100 Tonnen und weitere 500 Tonnen für Schotter und Gleise. Die neue Brücke darf sich auf einiges gefasst machen. Ihre Ruhetage in der Fuldaaue sind gezählt.

Von Kai A. Struthoff

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