Am Bordstein ist Schluss

Selbstversuch im Rollstuhl in Bad Hersfelds Innenstadt

Ohne Hilfe wird es schwer: Die HZ-Praktikantinnen Sina Lena Sandrock (unten) und Sarah Rössing (oben) waren einen Vormittag im Rollstuhl unterwegs. Sie begleiteten eine Gruppe von Kindern am letzten Tag der Ferienspiele in Bad Hersfeld auf ihrem Weg durch die Innenstadt. Fotos: Rössing/Sandrock

Bad Hersfeld. Wir stecken fest. Der Rollstuhl hängt im Rinnstein und bewegt sich keinen Zentimeter vor oder zurück, dabei wollten wir nur die Straße überqueren. Zum Glück ist das nur ein Versuch, und wir sind in einer Gruppe unterwegs. Was würden wir bloß machen, wenn wir alleine wären? Unsere Begleiter befreien die Rollstühle mit vereinten Kräften.

Doch hinter der Ecke wartet schon das nächste Hindernis: Ein Bordstein, der sonst kein Problem darstellt, entpuppt sich als unüberwindbar. Wieder sind wir auf die Hilfe der Anderen angewiesen. Doch für unsere Helfer ist es gar nicht so leicht, uns hochzuschieben, da der Rollstuhl so schwer und sperrig ist.

Danach wartet eine steile Straße mit Kopfsteinpflaster auf uns. Es ist zwar etwas holprig, aber wir haben es uns doch schwieriger vorgestellt, mit den dünnen Rollstuhlreifen darüber zu fahren. Trotzdem, auch hier sind wir nach den ersten Metern aufgeschmissen. Die Arme tun weh.

Enrico Röhle, der selbst im Rollstuhl sitzt, hat uns vor Beginn des Versuchs in den Umgang mit dem Rollstuhl eingewiesen. Trotz seines Tipps, sich beim Bergauffahren zur Hilfe nach vorne zu lehnen, haben wir einfach nicht genug Kraft, alleine hinaufzugelangen. Ohne Rollstuhl mit Elektroantrieb kommt man hier nicht weit. Bei der Aussicht, dass es dann auch wieder bergab geht, sind wir erleichtert. Als es so weit ist, gestaltet sich das Bremsen jedoch schwieriger als gedacht.

Mittagszeit: es soll ein belegtes Brötchen sein. Beim Bestellen am Tresen bekommen wir ganz lange Arme, weil im Rollstuhl sitzend alles viel schwerer zu erreichen ist, als im Stehen. Auch die Verkäuferin muss sich ganz schön strecken. Für die Jüngeren in unserer Gruppe ist es fast unmöglich, die Theke im Sitzen mit ihren kurzen Armen zu erreichen. Auf unserer Erkundungstour durch die Innenstadt rollen wir auch über den Wochenmarkt. Zwischen den vielen Ständen ist es zwar eng, aber zum Glück machen uns alle Leute freundlich Platz.

Zum Schluss müssen wir noch eine Ampel überqueren, wo wir auf halber Strecke mit Schrecken feststellen, dass die Grünphase schon rum ist.

Unser Ausflug mit dem Rollstuhl war zwar anstrengend, aber auch sehr spannend. Nach dieser Erfahrung nehmen wir unsere Umwelt und Hindernisse, die anderen vielleicht nicht im Weg stehen, anders wahr.

Von Sina Lena Sandrock und Sarah Rössing

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