Nach Dioxin-Skandal setzen Verbraucher auf ökologische und regionale Ware

Boom bei Bio-Eiern

Produzieren seit 1975 ökologisch: Die 30 000 Legehennen von Thomas (links) und Leonhard Häde vom Betrieb Sonnenei in Alheim-Heinebach erhalten ausschließlich Bio-Futtermittel. Foto: Moriße

Hersfeld-Rotenburg. Die Verbraucher sind nach dem Dioxin-Skandal verunsichert. Sind Eier, Geflügel- und Schweinefleisch noch verzehrbar? Ja, sagen Bauernverband, Metzger und Geflügelhalter im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Sie setzen auf ökologische Produkte aus der Region: Auf Qualität, die aber einen höheren Preis hat.

28 000 Bio-Eier produziert der Geflügelhof Sonnenei aus Alheim-Heinebach täglich, liefert sie an Edeka und Reformhäuser in der Region aus bzw. verkauft sie über einen eigenen Hofladen und auf dem Wochenmarkt. „Wir reichern unser Futter nur mit Sonnenblumenöl an“, sagt Geschäftsführer Leonhard Häde. Die Fette sind kaltgepresst. Dioxin entsteht hingegen bei enormer Hitze, etwa bei Verbrennungsprozessen über 300 Grad Celsius.

Vorsichtige Verbraucher

Die Verbraucher meiden derzeit eher konventionelle Supermarktware. „Es gibt derzeit einen Bio-Boom“, erzählt Thomas Häde. Es gebe Lieferengpässe. Die Nachfrage sei nicht zu befriedigen. Dass die Verbraucher auch langfristig hochwertigere, aber zugleich teurere Waren kaufen würden, glaubt er aber nicht. „Das ist wohl nur ein Strohfeuer.“

Laut Wolfgang Sippel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Hersfeld-Rotenburg, sind vor allem die Landwirte die Leidtragenden des Dioxin-Skandals. Rund 1500 Betriebe gibt es im Kreis.

Wegen der angespannten Marktsituation hätten sie sich kein finanzielles Polster ansparen können, falls sie jetzt auf den finanziellen Schäden sitzen blieben. „Das ist ein Desaster“, sagt Sippel. „Wegen der kriminellen Machenschaften eines Futtermittelherstellers sind viele Landwirte in ihrer Existenz bedroht.“ Umso mehr appelliert er an die Verbraucher, Ruhe zu bewahren. Viele Verdachtsfälle hätten sich nicht bestätigt.

Ferkel weiter im Stall

Und die 320 Ferkel eines hiesigen Mastbetriebes, die mit Dioxin belastetem Futtermittel gefüttert wurden, sind definitiv nicht in den Handel gelangt, bestätigt das Landratsamt.

Wichtig sei Transparenz, sagt Heinz Müller, Obermeister der Fleischer-Innung Hersfeld-Rotenburg. Der Kunde könne bei ihm nachvollziehen, woher die Ware kommt. Das hat seinen Preis, der mit Sonderangeboten aus dem Supermarkt nicht konkurrieren kann. „Bei uns gibt es keine Billigschiene“, sagt Müller. Zwölf bis 15 Schweine werden in der Fleischerei in Lispenhausen wöchentlich geschlachtet. Verglichen mit großen Fleischbetrieben ist das wenig. Dafür weiß der Kunde, dass er frisch verarbeitete Lebensmittel aus der Region erhält. Er kann entscheiden, ob ihm das wichtig ist. Oder der Preis.

Von Stefan Morisse

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