In Bad Hersfeld hat die Untersuchung der Abwasser-Hausanschlüsse schon begonnen

Böse Überraschungen lauern

Sachbearbeiter Jens Schleinig mit Bildern von typischen Störungen im Kanalnetz. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Zum zweiten Mal inspiziert die Stadt Bad Hersfeld derzeit ihr gesamtes Kanalnetz. Doch zum ersten Mal werden dabei nicht nur die 250 Kilometer der Hauptleitungen in Straßen und Wegen untersucht, sondern auch rund 8000 Hausanschlüsse.

Dieses Mammut-Vorhaben ist natürlich nur in Abschnitten zu bewältigen. „Für dieses Jahr haben wir uns Teile der Innenstadt sowie den Wehneberg und Kalkobes vorgenommen,“ berichtet Martin Bode, Leiter des städtischen Abwasserbetriebes, vom Stand der Dinge. Die Hohe Luft und der Petersberg waren schon dran.

Erkenntnisse gewinnen

Bis 2015 soll diese erste Phase, der Erkenntnisgewinn über den Zustand des gesamten unterirdischen Leitungsnetzes, abgeschlossen sein. Sanierungsmaßnahmen sind nicht an diese Frist gebunden.

Neu ist bei den gegenwärtigen Untersuchungen, dass sie diesmal nicht alleinige Sache der Stadt sind. Vielmehr sind erstmals auch die Grundstückseigentümer mit im Boot. Sie sind nämlich für alle privaten Leitungen auf dem Grundstück und unter dem Haus zuständig.

„Bei den Untersuchungen der Hausanschlüsse geht es um zwei Bereiche,“ erklärt Jens Schleinig, zuständiger Sachbearbeiter im Abwasserbetrieb, „um den öffentlichen Teil vom Hauptkanal bis zur Grundstücksgrenze und um den privaten Abschnitt bis zum Haus.“

Hausbesitzer zuständig

Teil eins inspiziert die Stadt von sich aus und stellt die Kosten dem Grundstückseigentümer per Bescheid in Rechnung. Dafür gibt es erste Erfahrungswerte – die Kosten liegen dort in der Regel unter 100 Euro.

Für den zweiten Bereich ist der Eigentümer selbst zuständig: Er muss von sich aus eine Fachfirma beauftragen, bezahlen und die Dokumentation der Untersuchung dem Abwasserbetrieb zur Verfügung stellen.

Rechtzeitig vor Beginn der Untersuchungen erhält jeder betroffene Hausbesitzer ein Informationsschreiben des Abwasserbetriebs, versichert Martin Bode. Darin stehen dann auch die Kontaktdaten des mit der Untersuchung beauftragten Unternehmens. Bietet diese Firma an, auch den privaten Leitungsabschnitt zu überprüfen, kann der Grundstückseigentümer einen entsprechenden Auftrag erteilen. Er kann jedoch auch jedes andere geeignete Unternehmen verpflichten.

In vielen Fällen wird es bei den Hausanschlüssen zu bösen Überraschungen kommen. Denn das, was unter der Erde versteckt ist, liegt bei Reparaturen und Renovierungen normalerweise nicht im Blickfeld. Doch Rohrbrüche, Senkungen und eingedrungenes Wurzelwerk beeinträchtigen nicht nur den Abfluss des Abwassers, sondern schaden durch Verschmutzung des Grundwassers der Umwelt.

Verschiedene Verfahren

Während die Hauseigentümer bei der Untersuchung ihrer Anschlüsse voraussichtlich in erträglichem Maße zur Kasse gebeten werden, kann eine Sanierung der Leitung ins Geld gehen. Mittlerweile gibt es jedoch eine ganze Reihe verschiedener Verfahren, mit denen sich Schäden beheben oder Rohre erneuern lassen. Bei manchen muss nicht einmal gebaggert werden.

Von Karl Schönholtz

Kommentare