250 Dinge, die wir an der Region mögen (215): Schreckköpfe in Rotenburg

Böse Geister fernhalten

Schreckköpfe, wie dieser an einem Haus in der Rotenburger Neustadtstraße, sollten die bösen Geister fernhalten. Foto: Meyer

Rotenburg. Wer Angst hat, der fühlt sich vielleicht sicherer, wenn er in die Offensive geht und anderen einen Schrecken einjagt. So mag es den Rotenburgern gegangen sein, die im 17. Jahrhundert ihre Häuser auf beiden Seiten der Fulda gebaut haben. Aus dieser Zeit stammen die sogenannten Schreckköpfe.

Hässliche Fratzen

Während schmuckvolle Schnitzereien an den Querbalken der Fachwerkhäuser, sogenannte Friese, zur Zier da waren, hatten die Schnitzereien in den Eckbalken eine andere Funktion: Hässliche Fratzen sollten böse Geister fernhalten von den Häusern.

Fast ein Dutzend solcher Schreckköpfe hat der Rotenburg-Kenner Albert Deist in der Stadt gezählt. Ihre Beschaffenheit ist ganz unterschiedlich: Mal blickt einen eine Fratze mit schiefen Zähnen durchdringend an, mal wirkt die Schnitzerei wie das Gesicht eines meditierenden Menschen. Oftmals ist der Schreckkopf kaum zu erkennen, weil Gesichtszüge nur angedeutet oder übermalt sind.

Ein Haus an der Neustadtstraße (Foto) bildet ein gutes Beispiel dafür, wie die Schnitzereien gepflegt und damit erhalten werden. In der Brotgasse brannte vor wenigen Jahren ein Haus. Es wurde abgerissen, und mit dem Haus gingen auch die Schreckköpfe an seinen Balken als Zeugnisse des Aberglaubens der Menschen verloren.

Von Achim Meyer

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