Vorzeitiger Rückzug des Bürgermeisters hat die politischen Köpfe der Stadt überrascht

Boehmers Paukenschlag

Dr. Rolf Göbel

Bad Hersfeld. Die Ankündigung des Bad Hersfelder Bürgermeisters Hartmut H. Boehmer, zum 31. August dieses Jahres vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, hat die politischen Köpfe der Stadt fast ausnahmslos überrascht. Nur einige wenige wussten Bescheid.

„Ich bedaure seine Entscheidung, akzeptiere es aber auch, wenn die Gesundheit im Vordergrund steht,“ sagte Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rolf Göbel (SPD). Die Arbeit, die unter Boehmer begonnen wurde, müsse weitergehen, sagt Dr. Göbel und ruft die Fraktionen im Stadtparlament auf, „konstruktive Lösungen“ zu ermöglichen.

Bernd Wennemuth, Vorsitzender der SPD-Fraktion, war in Boehmers Überlegungen seit einiger Zeit eingeweiht. „Wir haben vertrauensvoll zusammengearbeitet,“ sagte er gegenüber unserer Zeitung. Im Stadtverband der SPD sei bereits eine Kommission eingerichtet, die das Anforderungsprofil für einen Bürgermeisterkandidaten der Partei erarbeitet, berichtete Wennemuth weiter.

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Lothar Seitz, Erster Stadtrat und SPD-Stadtverbandsvorsitzender, gehört auch zum kleinen Kreis derer, die Boehmer ins Vertrauen gezogen hatte. Seitz spricht voller Anerkennung von Boehmers Leistung für die Stadt und respektiert seinen vorzeitigen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen. Über eine denkbare eigene Kandidatur äußerte er sich nicht.

„Der Zeitpunkt überrascht mich,“ gestand Hans-Wilhelm Saal (CDU), der für seinen im Urlaub befindlichen Fraktionsvorsitzenden Gunter Grimm antwortete. „Ich bedaure es, wenn einer aus gesundheitlichen Gründen aufhören muss. Aber es ist klar, dass dieser Job einen voll fordert. Das hinterlässt Spuren, und das hat man Boehmer auch angemerkt,“ sagte Saal. Die CDU werde sich nun umgehend mit der Nachfolge-Thematik beschäftigen. Was eine erneute Kandidatur von ihm selbst anbelangt, gab sich Saal noch zurückhaltend. Aber er schloss diese auf Nachfrage nicht aus. Saal war vor zwei Jahren für die CDU gegen Boehmer im Bürgermeisterwahlkampf angetreten.

„Das überrascht mich unheimlich“, sagte Hans-Jürgen Schülbe, Vorsitzender der Fraktionsgemeinschaft. „Ich bin davon ausgegangen, dass er bis zum Ende seiner Amtszeit weitermacht,“ meinte Schülbe, der mit Boehmer vor dessen Abschied noch den Konflikt um die Dippelmühle klären möchte.

Thomas Fehling, FDP-Stadtverordneter und Vorstand seiner Partei in Stadt und Kreis, zeigte sich sehr überrascht von Boehmers vorzeitigem Rückzug. Die gesundheitlichen Gründe respektiere er ebenso wie den hohen Einsatz und das Engagement des Bürgermeisters für Bad Hersfeld. Fehling schließt eine erneute Kandidatur für den Posten des Bürgermeisters nicht aus, wolle aber den Gremien seiner Partei nicht vorgreifen. „Ich habe immer gesagt, das war keine Eintagsfliege, aber es gibt auch keinen Automatismus“, erklärte er auf Anfrage unserer Zeitung.

Von Karl Schönholtz und Markus Pfromm

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