Die Vitaliksklinik sei viel besser als ihr Ruf, sagt der Noch-Geschäftsführer

Boehmer: Halten Sie durch

So schön wie lange nicht: Rund acht Millionen Euro hat die Stadt Bad Hersfeld bisher in den Erhalt und die Modernisierung der Vitalisklinik investiert. 110 Arbeitsplätze wurden so gerettet. Foto: Hornickel

Bad Hersfeld. Der Situationsbericht, den Noch-Geschäftsführer Hartmut H. Boehmer vor dem Haupt- und Finanzausschuss zur Lage der Vitalisklinik gab, geriet zum Plädoyer: „Halten Sie durch, haben Sie gute Nerven“, rief der Ex-Bürgermeister am Donnerstag die Stadtverordneten auf und prophezeite, diese Klinik werde in überschaubarer Zeit „zu einem guten Betrieb geführt.“

Dann allerdings ohne Boehmer: Der wird in der kommenden Woche nach erklärtem Rücktritt endgültig von Bord gehen. Zum Nachfolger hat die Gesellschafterversammlung der städtischen Wirtschaftsbetriebe in diesem Teilbereich für die nächsten drei Monate den Dipl.-Betriebswirt Hans Wilhelm Saal bestellt. Nach der Kommunalwahl soll über die Fach- und Reha-Klinik für Stoffwechselkrankheiten ganz neu nachgedacht werden.

Doch auch dazu hatte der scheidende Geschäftsführer eine klare Meinung: Allen Verkaufs-, Verlegungs- und Schließungs-Szenarien – egal ob an das Herz- und Kreislaufzentrum in Rotenburg oder an das örtliche Klinikum – erteilte Boehmer eine Absage, nicht zuletzt aus dem Grund, weil die gerade erst von Grund auf sanierte Immobilie dann leer stünde.

Acht Millionen investiert

Rund acht Millionen Euro hat sich die Stadt den Erhalt und die Modernisierung der Vitalisklinik mit ihren 110 Arbeitsplätzen bislang kosten lassen. Trotzdem waren die Belegungszahlen im vergangenen Jahr rückläufig gewesen, so dass unter dem Strich ein Defizit von 1,089 Millionen Euro stand.

Gleichwohl sei der städtische Haushalt durch die Klinik nicht gefährdet, versicherte Boehmer.

In seinem Bericht zur Lage, der ursprünglich unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegeben werden sollte, dann aber aus Gründen der Transparenz doch öffentlich war, schilderte Boehmer den langen Weg bis zur Einigung über ein Sanierungskonzept samt Sozialplan (HZ berichtete).

Zur weiteren Kostenreduzierung sei nun ein sogenannter Notlagentarifvertrag erforderlich, sagte Boehmer und kündigte entsprechende Verhandlung mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und dem für die Ärzte zuständigen Marburger Bund an.

Darüber hinaus sollen ärztliche Aktivitäten zur Ertragssteigerung beitragen, sagte Boehmer. Obwohl neue Indikationen nicht zugelassen würden, gebe es einige Ideen, wie zusätzliche Patienten gewonnen werden können.

Nicht erforderlich

Ob die Klinik als Bestandteil der Wirtschaftsbetriebe – wie jetzt vorgesehen – einen eigenen Geschäftsführer benötigt, bezweifelte Boehmer. Bis zum Sanierungsplan sei das sinnvoll gewesen, sagte er, doch jetzt seiner Ansicht nach nicht mehr erforderlich. Die eigentliche Arbeit werde „von teuer bezahlten Leuten gemacht“, sagte Boehmer unter Hinweis auf das Management durch das Klinikum.

Zum Ende seiner Ausführungen beschwor Boehmer insbesondere die Skeptiker unter den Stadtverordneten, das „zarte Pflänzchen der Vitalisklinik“ nicht zu zerreden und fügte hinzu: „Sie ist besser als ihr Ruf!“

In der anschließenden Aussprache verwahrten sich die Angesprochenen – namentlich Gunter Grimm (CDU) und Hans-Jürgen Schülbe (Fraktionsgemeinschaft) – sichtlich empört gegen den Vorwurf Boehmers, bei ihrer Kritik zu unlauteren Mitteln gegriffen zu haben.  Kommentar

Von Karl Schönholtz

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