Sommeroper in der Stiftsruine Bad Hersfeld mit Smetana und Rossini

Von Böhmen nach Sevilla

Das fröhliche Kirchweihfest im ersten Akt ist nur der milieubildende Rahmen für eine hintergründige Handlung. Unser Foto entstand bei einer Inszenierung der Verkauften Braut in der Stiftsruine im Jahr 1991. Foto: Archiv-Buhlmann

Bad Hersfeld. Für zahlreiche Opernfans ist sie längst kein Geheimtipp mehr, die Bad Hersfelder Stiftsruine. Seit nunmehr 31 Jahren ist sie allsommerlich willkommener Schauplatz für ambitionierte Opernaufführungen vor allem des klassischen Repertoires. Die Saison 2011 ist ganz dem heiteren Musiktheater verpflichtet. Mit Bedrich Smetanas „Die verkaufte Braut“ und Giaocchino Rossinis „Barbier von Sevilla“ stehen heuer, gesungen in deutscher Sprache, wiederum zwei Klassiker auf dem Programm.

Im Konzertsaal wie auf der Opernbühne, Bedrich Smetana ist hierzulande der bekannteste und meist gespielte tschechische Komponist. Die als Hauptwerk der tschechischen Spieloper geltende „Verkaufte Braut“ blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück. Nach dreijähriger Schaffenszeit erstmals am 30. Mai 1866 in Prag als „komisches Singspiel“ aufgeführt, durchlief zweiaktige Urfassung mehrere Bearbeitungen durch Smetana selbst. Erst vier Jahre später, am 25. Mai 1870, gelangte die inzwischen vierte, aber nun endgültige Fassung mit Rezitativen – die auch in Bad Hersfeld zu sehen sein wird – in Prag zur Uraufführung.

Spiel um Liebe und Geld

Dass der Komponist selbst seine Oper als „Spielzeug“ bezeichnete, erklärt sich vor allem aus der in ihrem Grundcharakter heiteren, sich tschechischer Volkstraditionen bedienenden Musik. Doch wie so oft lohnt ein zweiter, ein tiefgründigerer Blick hinter die vorgeblich heitere Oberfläche und schnell ermisst sich die ganze Dimension um das Spiel von Liebe und Geld, das Smetana und sein Textautor Karel Sabina hier entfachen. Das fröhliche Kirchweihfest im ersten Akt ist nur der milieubildende Rahmen für eine moralisch ebenso fragwürdige wie brutale Handlung. Marie, die eigentlich ihren Hans liebt, soll quasi, mit Hilfe des Heiratsvermittlers Kecal, an Wenzel, den Sohn eines reichen Gutsbesitzers als Ehefrau „verkauft“ werden. So haben’s beider Väter ausgehandelt und so soll’s vollzogen werden. Dass nach einigen Wirrungen doch noch alles glücklich endet, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass Smetana eine komische Oper schreiben wollte.

Von ganz anderem Kaliber ist dagegen Gioacchino Rossinis am 20. Februar 1816 in Rom uraufgeführter „Il Barbiere di Siviglia“. Statt einer politisch-brisanten komischen Oper bieten Rossini und sein Librettist Cesare Sterbini eine saftige opera buffa, in der in bester commedia dell’arte-Manier unbekümmert und fortwährend geschimpft und geplappert wird. Ein Graf, der sich als Student tarnt und versucht mit Hilfe seines Freundes, dem aufschneiderischen Figaro, an seinen Schatz, das Mündel eines vergreisten Dottores, wie es im Libretto heißt, zu gelangen, führt zu immer neuen Verkleidungen, Täuschungsmanövern und turbulenten Situationen, welche vergessen machen, dass eigentlich alles bittere Ironie ist. Der Untertitel „dramma giocoso“ deutet dies an.

Zwei Opern, die einen vergnüglichen Abend garantieren und trotzdem über das Lachen reflektieren.

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