Lolls-Reportage: Unterwegs mit einer Polizeistreife im Lullusfest-Trubel auf dem Markt

Blut, Feuer und Fäuste

Einsatz im Lichtermeer: Polizeioberkommissar Patrick Figge und seine Kollegin, Hauptkommissarin Bärbel Rodemer, laufen Streife über den Marktplatz. Für sie war das Lullusfest 2011 bisher ein erfreulich friedliches. Foto:  Trebing

Bad Hersfeld. Der Lockenkopf mit Bierflasche blutet stark aus dem Mund. Es ist ein gruseliges Grinsen, das er den Beamten zeigt, ab und zu tropft es dunkelrot auf den Linggplatz. Er zeigt auf das Loch, wo oben mal ein Schneidezahn gesessen haben sollte.

„Brauchen Sie Hilfe?“ fragt Oberkommissar Patrick Figge den leicht schwankenden Teenager. „Nee, bin nur hingeflogen“, sagt er und es klingt fast stolz. „Und jetzt feiern wir weiter.“ Es ist Lollsfreitag, kurz nach 23 Uhr, und der Geräuschpegel aus Bässen, splitterndem Glas und Wiedersehensfreude hat seinen Höhepunkt erreicht. In der Masse der Menschen treiben auch immer wieder Polizisten in Zweier- und Dreiergruppen vorbei.

So präsent wie möglich

Die Hersfelder Ordnungshüter haben ihre Präsenz auf dem Festplatz in den letzten Jahren verstärkt, um die weniger friedlichen Lollsbesucher erst gar nicht auf dumme Gedanken kommen zu lassen. An diesem Abend sind 16 Beamte in Uniform und noch ein paar in Zivil auf dem Markt unterwegs. Und tatsächlich ist zwischen den sich drängenden Hersfeldern meist irgendwo eine Polizeimütze in Sichtweite.

Hauptkommissar Ralf Lampersbach ist schon seit vielen Jahren bei der Lollspatrouille dabei und wird alle 15 Meter in ein Gespräch verwickeln. „Manche Leute sind wirklich schmerzbefreit“, sagt er und deutet auf den blutenden Jungen vorm Sportlereck. „Aber meistens macht der Job hier Spaß.“

Ralf Lampersbach, der Leiter der Lollswache Patrick Figge und ihre Kollegin Bärbel Rodemer setzen ihre Runde in Richtung Feuer fort, aus dem die Funken hoch in den Nachthimmel steigen. Die Hitze ist auch noch durch fünf Reihen Menschen in Wintermänteln zu spüren. „Es ist ein Wunder, dass hier noch nicht mehr passiert ist“, sagt Patrick Figge. „Vielleicht liegt es den Hersfeldern in den Genen, dass sie aufpassen.“

Da am „Fierche“ alles ruhig zu sein scheint, steuern die drei Polizisten nun ein neues Ziel an. Vor der Stadtkirche spüren sie einen Freiluftpinkler auf, der sich ins vermeintlich sichere Dunkel zurückgezogen hat. „Stellen Sie sich mal vor, das würde jeder machen“, tadelt Patrick Figge, während er die Personalien des Mannes aufnimmt. Den Namen geben die Beamten später an die Stadt Bad Hersfeld weiter. Mit 30 Euro Bußgeld wird dieser Toilettengang ein unangenehm teurer werden.

Ungemütliche Nacht

Gut eine Stunde später wird es dann doch noch eine ungemütliche Lollsnacht. Vorm Autoscooter haben sich vier junge Männer voreinander aufgebaut. Zuerst fliegen die Flüche, dann geht alles ganz schnell und die aufgebrachten Gestalten verkeilen sich ineinander. Auch ein Polizist, der dazwischen geht, bekommt etwas ab. Ein Halbstarker, der mit den Armen auf dem Rücken vom Platz geführt wird, schreit verängstigt dreinschauende Besucher an.

Trotz allem ruhiges Lolls

Um kurz nach eins verstummen die Losverkäufer und Partyhitsänger und der Marktplatz leert sich überraschend schnell. Nur ums Lollsfeuer stehen noch die ins Gespräch Vertieften und in Erinnerungen Schwelgenden.

Trotz einer Hand voll Keilereien ist die Bad Hersfelder Polizei mit dem Lullusfest 2011 zufrieden. „Es war ein ruhiges Lolls“, sagt Polizeioberkommissar Jan Henkel, der in der Container-Zentrale vor dem Standesamt die Einsätze koordiniert. „Wir versuchen, so früh wie möglich einzuschreiten, und das zahlt sich aus.“

Eine endgültige Bilanz wird es aber erst geben, wenn die letzten Besucher heute Abend Lullusfeuer-berauscht nach Hause gewankt sind. „Es kann eben immer etwas passieren“, sagt Jan Henkel. „Mit dem Freuen warten wir lieber bis Dienstag.“ † SCHLÄGEREI UND PÖBELEI

Von Saskia Trebing

Kommentare