250 Dinge (112): Das Mahnmal Bodesruh besteht seit 50 Jahren – Ausflugsgaststätte

Ein Blick über die Grenze

Das Mahnmal Bodesruh symbolisiert die deutsche Teilung. Foto: HZ-Archiv

Kleinensee. Das vor 50 Jahren errichtete Mahnmal Bodesruh erinnert an die Teilung der Region durch die deutsch-deutsche Grenze bis 1989 und in seiner Form an den 17. Juni 1952. Es befindet sich oberhalb von Kleinensee.

Die Jahre nach 1945 stellten die hessische Gemeinde Kleinensee plötzlich vor eine Reihe schwieriger Probleme. Kleinensee war entsprechend seiner geographischen Lage überwiegend nach Thüringen orientiert, so führten die Zufahrtsstraßen nach Kleinensee über Thüringer Gebiet.

DDR sperrte Grenze komplett

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen führte dies zu Problemen, weil Hessen und Thüringen zu unterschiedlichen Besatzungszonen gehörten. Ab Mai 1952 sperrte die DDR schließlich die Grenze komplett. Der nicht ausgebaute Holzabfahrweg über den Seulingswald musste provisorisch hergerichtet werden, damit Kleinensee überhaupt noch erreichbar war.

Kleinensee stellte mit Großensee und Dankmarshausen, beide in Thüringen gelegen, nicht nur eine wirtschaftliche Einheit dar, sondern es bestanden auch viele verwandtschaftliche Beziehungen. Konnten bis 1952 durch so genannte Grenzübertrittsscheine die härtesten Folgen noch gemildert werden, war dann ab Mai 1952 nicht mehr möglich.

Am 17. Juni 1964 wurde nach Abschluss der Arbeiten das „Mahnmal der Deutschen Teilung“ eingeweiht. Es handelt sich dabei um einen 13 Meter hohen Aussichtsturm mit einer über eine freistehende Wendeltreppe zu erreichenden Plattform. Zwei schmale Betonstreben umschließen die Wendeltreppe, ragen empor und sind im oberen Teil geöffnet.

Von der Aussichtsplattform sieht man sowohl den hessischen Ortsteil Kleinensee als auch das thüringische Großensee. Am Turm wurde ein Relief angebracht, das ursprünglich Deutschland in den Grenzen von 1937 zeigte. Der Teil der Tafel, der die deutschen Ostgebiete zeigte, wurde entfernt, so dass nur noch die Fläche Deutschlands in den Grenzen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR gezeigt wurde.

Der Turm sollte schon in seiner äußeren Form auf die Spaltung Deutschlands hinweisen.

Die Finanzierung dieses Mahnmals übernahmen das Land Hessen, der Landkreis Hersfeld und die Gemeinde Kleinensee.

Da das Mahnmal und die gesamte Gegend an der Zonengrenze sehr viel von Fremden besucht wurde, die sich über die Situation an der Zonengrenze unterrichten wollten, hat die Gemeinde Kleinensee weiterhin eine bestehende Gaststätte erweitert, damit den Besuchern auf gastronomischen Gebiet etwas geboten wurde. Bis zur Wende wurde dieser Ort auch häufig von ehemaligen DDR-Bürgern besucht, um einen Blick in ihre alte Heimat zu werfen.

Informationstafeln und Sitzbänke wurden eingerichtet. Eine Lautsprecheranlage und Beleuchtungseinrichtungen wurden installiert.

Herrlicher Blick

Heute wie früher erlaubt der Aussichtsturm des Mahnmals Bodesruh einen herrlichen Blick auf das Gerstunger Becken und den Monte Kali nahe Heringen. Bei guter Witterung reicht der Blick bis weit nach Thüringen.

Für die Kleinenseer Bevölkerung war das Jagdhaus Bodesruh mit dem Mahnmal von 1952 bis zur Grenzöffnung das einzige Ziel, welches zu Fuß zu erreichen war.

1974/75 wurden erste Renovierungsarbeiten fällig.

Rund 250 Meter vom Turm entfernt befindet sich ein beliebtes Ausflugslokal. Diese nahe gelegene Ausflugsgaststätte Jagdhaus Bodesruh ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren in den großen Waldgebieten des Seulingswaldes. Am 22. Juni wird dort ein Sommerfest gefeiert.

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