250 Dinge, die wir an der Region mögen (199): das Rotenburger Pilzchen

Den Blick schweifen lassen

Einen herrlichen Blick über die Rotenburger Altstadt und auf das HKZ hat man vom Pilzchen am Höberück. Foto: Meyer

Rotenburg. Jeder echte Rotenburger weiß, wovon die Rede ist, wenn es um das „Pilzchen“ geht. Der Spaziergänger, der den steilen Fußweg hinauf auf den Höberück hinter sich gebracht hat, der lässt sich auf die Bank am Fuß des kleinen Unterstandes fallen und den Blick schweifen.

Der schildförmige Verlauf der Stadtmauer ist erkennbar, und die historischen Fachwerkhäuser innerhalb der Mauer heben sich eindeutig von den moderneren Gebäuden außerhalb ab. Kirchtürme, Rathaus und der große Baum am St.-Georg-Kindergarten ragen hübsch aus der Stadt heraus. Am Hang gegenüber steht das Herz- und Kreislaufzentrum, nicht besonders ansehnlich, aber mittlerweile gehört es zur Stadt wie die Fulda oder das Schloss. Das Bild enorm verändert hat das große rote Einkaufszentrum, das an der Bahnlinie gewachsen ist.

In Rotenburg gab es einen Verschönerungsverein. Er stellte 1923 den sogenannten Pilzhut, eine hübsche, ziegelgedeckte Holzkonstruktion mit spitzem Dach, auf den altstädter Höberück. Rotenburger Geschäftsleute hatten dafür gespendet. Das marode Pilzchen wurde 1971 durch einen Fliegenpilz ersetzt, der ein rotes Metalldach mit weißen Punkten hat. Das Laub der am Hang wachsenden Bäume verstellte später die Aussicht auf die Stadt. Vor zwei Jahren erst wurde der schöne Blick freigeschnitten, das Dach gereinigt und neu gestrichen. Jetzt leuchtet es wieder so, dass es von vielen Stellen in der Stadt gut zu erkennen ist. Wer neu in die Stadt gezogen ist, das Pilzchen am Höberück entdeckt und es selbstständig erwandert hat, der ist schon fast ein echter Rotenburger.

Von Achim Meyer

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