25 Jahre deutsche Einheit: Staatsminister Michael Roth diskutierte mit Gästen

Der Blick geht westwärts

Plauderten aus dem Nähkästchen: (von links) Journalist Christoph Diekmann, Staatsminister Michael Roth, der die Gesprächsrunde moderierte, und Carsten Schneider, Bundestagsabgeordneter aus Thüringen. Foto: Nicole Wagner

Bad Hersfeld. Knapp ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung hat ein Mischprozess zwischen Menschen aus Ost und West stattgefunden. Ostdeutsche Biografien sind heute kaum noch von westdeutschen zu unterscheiden und erst bei genauerem Nachforschen lassen sich Unterschiede finden.

Zu diesen und weiteren Erkenntnisse kamen Staatsminister Michael Roth und seine Gäste am Samstagnachmittag. Anlässlich des anstehenden Jubiläums der Wiedervereinigung hatte die Friedrich-Ebert-Stiftung zu einem öffentlichen Podiumsgespräch ins „wortreich“ geladen. Wo waren Sie am 3. Oktober 1990? Michael Roths erste Frage rief sofort großes Interesse hervor. „Ich konnte der feierlichen Rede des damaligen US-Präsidenten George Bush im Rosengarten des Weißen Hauses beiwohnen“, berichtete Christoph Diekmann. Der Publizist und Autor der Wochenzeitung „Die Zeit“ war zudem am nächsten Tag der einzige Ostdeutsche auf einer Party in der deutschen Botschaft in Washington. Er erinnerte sich auch an die Zeit bis 1993, als die Ostdeutschen ihm noch viel Misstrauen und Skepsis entgegen brachten, wenn er als Journalist mit Tonbandgerät im Gepäck Menschen auf der Straße befragte. „Danach sind sie langsam aufgetaut.“

Überrascht zeigten sich alle Anwesenden, als Michael Roth erwähnte, dass laut Kanzlerin Angela Merkel immer noch 20 bis 25 Prozent der Westdeutschen noch nie in Ostdeutschland gewesen seien und nach den Gründen dafür fragte. „Unser Blick geht traditionsgemäß sehr stark westwärts.“ Carsten Schneider, Abgeordneter aus Thüringen und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, versuchte sich an einer Erklärung und hob hervor, dass es im bundesweiten Diskurs zudem wenig Interesse für Ostdeutschland gäbe.

Junge Menschen ziehen weg

Besorgnis drückten alle drei Gesprächsteilnehmer beim Thema Fremdenhass aus, der sich in den ostdeutschen Bundesländern besonders stark äußert. Christoph Diekmann betonte allerdings, dass dies nicht typisch sei für den Osten. Er und Carsten Schneider erläuterten, dass es eher an dem vergleichsweise niedrigen Ausländeranteil dort läge. „Es hat viel damit zu tun, dass sie keine Fremden kennen“, erörterte Carsten Schneider und fügte hinzu, dass die jüngeren und zumeist offeneren Menschen häufig in die alten Bundesländer gezogen seien.

Diskussionsrunde mit Staatsminister Michael Roth

Dennoch zogen alle drei Gesprächsteilnehmer eine positive Bilanz der letzten 25 Jahre. Christoph Diekmann berichtete von einem Erlebnis, als ostdeutsche Fußballfans viel Toleranz zeigten und Michael Roth verwies auf das deutlichste Zeichen der gelungenen Wiedervereinigung: „Unsere Kanzlerin und unser Staatsoberhaupt sind beides Ostdeutsche. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Rock- und Akustikband der Gesamtschule Geistal unter der Leitung von Holger Reuning.

Von Nicole Wagner

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