Bad Hersfelder Festspiele 2013: Eröffnung mit Festakt und „Nathan“-Premiere

Was bleibt, ist die Kultur

Streiter für die Kultur: Festredner Prof. Dr. Norbert Lammert. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Mit unmissverständlichen Bekenntnissen zur großen Bedeutung der Kultur wurden am Samstag die 63. Bad Hersfelder Festspiele eröffnet. Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier unterstrichen beim Festakt in der Stiftsruine den Stellenwert der Kunst im Allgemeinen und des Hersfelder Theaterfestivals im Besonderen.

Am Abend sahen sich beide gemeinsam mit dem Premierenpublikum Lessings Lehrstück über die Toleranz, „Nathan der Weise“, in der Inszenierung von Festspielintendant Holk Freytag an. Die mit viel Applaus bedachte Aufführung war dem am Nachmittag verstorbenen Bad Hersfelder Alt-Bürgermeister Hartmut H. Boehmer gewidmet, der sich stets in besonderem Maße für die Festspiele engagiert hatte (siehe Bericht unten).

Festredner Lammert hatte sich in seinem komplexen Beitrag mit dem Blick auf den „Nathan“ das Thema „Politik und Religion“ vorgenommen. Am Ende stand die Erkenntnis, dass nicht die Wirtschaft, Geld oder die Politik die Gesellschaft im Kern zusammenhält, sondern „Überzeugungen, die die Menschen miteinander teilen“ – wie eben die Religionen. Auch war sich Lammert sicher, dass „nicht die Autobahnen und nicht die brillanten Steuergesetze“ unsere Zeit überdauern werden, sondern die kulturellen Werke. Aufgabe des Staates sei es allerdings nur, den Rahmen für die Kultur zu schaffen. Für die Inhale sei er nicht zuständig.

Ministerpräsident Bouffier unterstrich die überregionale Bedeutung der Festspiele und bezeichnete sie als „eine nationale Angelegenheit“. Er ermunterte das Festival, sich auch weiterhin innovativ zu zeigen, um auch in immer schwierigeren Zeiten wahrgenommen zu werden.

Eröffnung der 63. Bad Hersfelder Festspiele

Jüdische, islamische und christliche Gesänge – dargeboten von Avitall Gerstetter, Kazim Calisgan und Siggy Davis – nahmen das Thema der Premierenvorstellung auf. Für das Hier und Jetzt stand die Szene „Pommes Frites“, in der Anne-Marie Lux die Heilkräfte einer Mahlzeit von McDonalds beschwor.

Intendant Freytag und Bürgermeister Thomas Fehling – zuletzt nicht immer einig – hatten sich bei der Begrüßung demonstrativ mit netten Worten bedacht.

Von Karl Schönholtz

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