HZ-Interview mit dem FDP-Bürgermeisterkandidat Thomas Fehling zum Wahlkampf

Bitter enttäuscht von Berlin

Thomas Fehling muss sich derzeit ganz schön abstrampeln: Das gelbe FDP-Schiff schwankt im Popularitätstief. Gegenwind, der dem Bad Hersfelder Bürgermeisterkandidaten seinem Törn ins Rathaus schwer macht. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Das Kandidatenfeld nimmt Gestalt an. Nachdem die CDU auf die Nominierung eines eigenen Kandidaten verzichtet und die Linke bislang keinen eigenen Bewerber benannt hat, läuft es offenbar auf Gunter Müller für die SPD, den parteiunabhängigen Martin Gröll und Thomas Fehling für die FDP hinaus. Mit Fehling sprach Kai A. Struthoff.

Herr Fehling, die CDU wird keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Was sagt das über den Zustand der Partei aus?

Thomas Fehling: Ich mag das nicht bewerten, das ist Sache der CDU. Ich hätte mich gefreut, wenn die CDU einen Kandidaten gestellt hätte, aber so macht es das Tableau etwas überschaubarer.

Warum unterstützt die CDU aber Martin Gröll und nicht Sie. Ihre beiden Parteien bilden immerhin die Regierungskoalitionen in Hessen und im Bund?

Fehling: Es ist, wie es ist. Darüber zu spekulieren ist müßig. Ich hatte vor einiger Zeit mit der CDU gesprochen, aber damals hieß es noch, sie wolle mit einem eigenen Kandidaten antreten. Ich trete an und will gewinnen.

Sie waren bislang eher zurückhaltend und äußern sich meist nur in Ihrem Internet-Blog. Dort sorgen Sie sich um den Zustand der Grünflächen, so als wollten Sie hier Gärtner werden. Haben wir keine anderen Themen?

Fehling: Es handelt sich um typische Symptome. Offenbar liegt bei den anderen der Fokus ausschließlich auf den großen Fragen mit denen man große Aufmerksamkeit gewinnen kann. Aber die Selbstverständlichkeiten werden vernachlässigt. Nur 500 Meter vom Kurpark entfernt sprießt überall meterhoch Unkraut. Der Fuldasee wurde mit viel Aufwand angelegt, jetzt wird er vernachlässigt. Man kann sich nicht nur auf die tollen, großen Sachen konzentrieren und den Rest verdrängen.

Könnte es aber auch sein, dass Sie der rasante Absturz Ihrer Partei auf Bundesebene etwas mundtot gemacht hat, so dass Sie sich jetzt lieber auf die unverfänglicheren Themen konzentrieren?

Fehling: Von dem, was derzeit in Berlin passiert, bin ich bitter enttäuscht. Ich bin momentan ein großer Kritiker der eigenen Bundes-Partei, das habe ich auch unlängst auf unserem Parteitag in Künzell öffentlich deutlich gemacht. Für das bisherige Chaos habe ich im vergangenen Jahr keinen Wahlkampf gemacht. Glücklicherweise gibt es auch Lichtblicke, wie Brüderles Opel-Entscheidung.

Es ist aber nicht nur Berlin. Auch Ihr hessischer Parteifreund und Justizminister Jörg-Uwe Hahn hat Ihnen mit seiner Entscheidung zu den Gerichtsschließungen keinen Gefallen getan. Konnten Sie da gar keinen Einfluss nehmen?

Fehling: Ich habe es versucht und mit Jörg-Uwe Hahn gesprochen. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Wir wollen einen schlanken Staat, aber wenn es dann zu Einschnitten kommt, schreien alle auf. Aber an diesen Gerichts-Entscheidungen trägt Rotenburg auch mit Schuld.

Wie das?

Fehling: Als es vor ein paar Jahren darum ging, welches Gericht das Ausbildungsgericht für die Finanzfachhochschule werden soll, hat es Rotenburg versäumt, rechtzeitig die Hand zu heben. Hersfeld hingegen hat gesagt, wir machen das. Damit war das Amtsgericht in Hersfeld unantastbar. Rotenburg war damals strategisch nicht weitsichtig genug. Aus diesem damaligen Versäumnis ist jetzt eine Kettenreaktion entstanden, die nicht mehr aufzuhalten war. Denn immerhin hatte der Landesrechnungshof ja eine Reduzierung der Gerichte gefordert.

Und was nun?

Fehling: Es ist bitter für die Region, ich kann die Kritik nachvollziehen. Bernd Poppe und ich haben uns deshalb als FDP-Mitglieder auch den kritischen Resolutionen im Stadtparlament und im Kreistag angeschlossen. Jetzt werden wir uns dafür einsetzen, dass zumindest das kostenlose Erstberatungsangebot für Angestellte vor Ort aufrecht erhalten bleibt.

Schadet Ihnen diese Entscheidung im Wahlkampf?

Fehling: Na ja, hilfreich ist sie jedenfalls nicht. Die politische Stimmungslage ist für Liberale im Moment nicht gut. Ich hoffe aber, dass die Wähler zwischen dem, was in Berlin passiert, und dem, was wir hier vor Ort tun müssen, unterscheiden.

Wann starten Sie mit welchen Themen in die heiße Phase des Wahlkampfs?

Fehling: Am 2. September ist Bewerbungsschluss. Dann wissen wir definitiv, wer antritt. Ich bleibe im Wahlkampf weitgehend bei meinen Themen von 2007. Wir müssen den schleichenden Bevölkerungsrückgang aufhalten. Bad Hersfeld ist inzwischen unter 30 000 Einwohner gefallen. Für diese Prognose wurde ich vor einigen Jahren noch beschimpft. Die Stelle des Bürgermeisters ist nur noch eine B4 statt eine B5 Stelle. Ich bewerbe mich aber trotzdem (lacht). Doch an dieser kritischen Einwohnerzahl hängen auch finanzielle Dinge wie Schlüsselzuweisungen für die Stadt. Die Bevölkerungsentwicklung bleibt mein Kernthema im Wahlkampf.

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