Eisenacher Theologe Dr. Wolfgang Schenk referierte über Reformator Martin Luther

„Du bist etwas wert“

Von Luther beseelt: Ausdrucksstark und bildgewaltig referierte der bekannte Eisenacher Theologe Dr. Wolfgang Schenk auf Einladung des Hersfelder Geschichtsvereins über die bis heute anhaltende Bedeutung des Reformators Martin Luther. Foto: Apel

BAD HERSFELD. Zu einem pointierten Spaziergang durch das Zeitalter der Reformation und zu vertieftem Nachdenken über den Protagonisten dieses Zeitalters, Martin Luther, hatte der Hersfelder Geschichtsverein den langjährigen wissenschaftlichen Leiter des Eisenacher Luther-Hauses, Dr. Wolfgang Schenk, in den Wigbertsaal des 1239 gegründeten und damit „fast“ genauso geschichtsträchtigen Bad Hersfelder „Hospitals“ eingeladen.

„Was geht uns Luther heute an?“ fragte der Theologe, um sogleich den Augustinermönch in relativ langen, aber farbig und fesselnd vorgetragenen „Vorbemerkungen“ als leidenschaftlich einseitigen, fanatischen „Workaholic“ zu charakterisieren, der seinem Körper eine unglaubliche Lebensleistung abgerungen habe. Gleichwohl sei er „kein unfehlbarer Held oder Heiliger“ gewesen: „Er hat als Mönch solide gelebt, aber er war ein Sünder wie alle anderen auch, und er hat eine Menge Fehler gemacht!“

Da Luther Sinn für Klang und Rhythmus gehabt habe, ausgesprochen musikalisch gewesen sei, die Wirkung der Musik auf die Seele erkannt und viele Lieder gedichtet habe, erstrecke sich seine Bedeutung auf musikalischem Gebiet bis in die Gegenwart. Er sei mitverantwortlich dafür, dass das evangelische Pfarrhaus über Jahrhunderte hinweg eine Stätte der Musik gewesen sei.

Genialer Sprachschöpfer

In sprachlicher Hinsicht habe er mit der Übersetzung der Bibel den entscheidenden Beitrag zur Schaffung einer deutschen Einheitssprache geleistet. „Luther war ein genialer Sprachkünstler und Sprachschöpfer“, betonte Schenk. Da der Reformator dem Volk aufs Maul geschaut und bisweilen durchaus cholerisch reagiert hat, scheute sich Schenk nicht, ein paar von Luthers derben Sprüche zu zitieren, zum Beispiel: „Aus einem traurigen Arsch kommt nie ein fröhlicher Furz.“

In künstlerischer Hinsicht wirke bis heute nach, so Schenk, dass der Reformator seinen Freund Lucas Cranach und dessen „Malerfabrik“ zur Darstellung und Verbreitung des evangelischen Glaubens eingesetzt habe. In schulischer Hinsicht habe Luther mit dafür gesorgt, dass Mädchen lesen und schreiben lernen, dass Latein- und Griechisch-Schulen eingerichtet werden und dass aus vielen Klöstern Schulen geworden sind – nicht zuletzt die spätere „Alte Klosterschule“ in Bad Hersfeld.

Menschenrechte

Auf Luther gehe auch zurück, so Schenk, dass die weltliche – und weniger die mönchische – Leistung eines jeden Menschen geschätzt werde: „Gott gefällt es viel besser, wenn Knecht und Magd die Stube kehren oder Schuhe putzen, als aller Mönche Beten, Fasten und Messehalten.“ Und schließlich lege er, wenn er von der „Freiheit eines Christenmenschen“ spreche, die Grundlage für Grund- und Menschenrechte – nicht zuletzt deshalb, weil er jedem Menschen deutlich mache: „Du bist etwas wert, allein weil du Mensch bist!“

Von Wilfried Apel

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